Gute Nachbarn - Starke Kommunen mit Erneuerbaren Energien

Bioenergiedorf Reiffenhausen

Das 737 Einwohner große Bioenergiedorf Reiffenhausen im süd-westlichen Niedersachsen entstand aus einem Bioenergiedorf-Wettbewerb, den der Landkreis Göttingen 2006 auslobte. Nach einer erfolgreichen Machbarkeitsstudie gründeten 83 Bewohner Reiffenhausens eine Genossenschaft, um das Dorf mit Abwärme aus der bereits bestehenden Biogas-KWK-Anlage eines Landwirts zu versorgen.

Die Finanzierung des Nahwärmenetzes läuft über drei Komponenten:

  • Zunächst kaufte jedes der mittlerweile 94 Genossenschaftsmitglieder Anteile im Wert von 2.500 Euro pro Haushalt zuzüglich einer einmaligen Beitrittsgebühr von ebenfalls 2.500 Euro. So kamen rund 400.000 Euro zusammen.
  • Dazu wurden Mittel aus dem Marktanreizprogramm des BMU zur Förderung von Erneuerbarer Energien im Wärmebereich beantragt. Obwohl das Förderprogramm zum Zeitpunkt des Planungs­beginns noch gar nicht angelaufen war, konnte eine Delegation der Betreiber die Zuständigen im BMU von ihrem Konzept überzeugen und eine Vorabförderung bekommen. Die KfW, über die dieser Teil des MAP abgewickelt wird, sagte der Betreibergenossenschaft aus ihrem Programm Erneuerbare Energien – Premium insgesamt eine Förderung von etwa 600.000 Euro zu. Diese Summe setzt sich zusammen aus einem Zuschuss zum fünf Kilometer langen Wärmenetz, der 80 Euro pro Meter Länge beträgt, sowie einer Beihilfe zum Wärme- speicher und zur zusätzlichen Hackschnitzelheizung für den Höchstlastbetrieb. Auch für die Hausübergabestationen zahlt die KfW einen Zuschuss von je 1.800 Euro, von dem die Wärmekunden profitieren.
  • Beim dritten Baustein der Finanzierung wird es interessant: Aus dem Europäischen Landwirt­schaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) konnten Fördermittel in Höhe von 200.000 Euro gewonnen werden. Über den Schwerpunkt III des Fonds – Zuwendungen für die integrierte ländliche Entwicklung (ZILE) – der sich u. a. an die Diversifizierung in der Landwirtschaft richtet, konnte die Bioenergiedorf Reiffenhausen eG zusätzliche Beihilfen bekommen: für die Erweiterung ihres Nahwärmenetzes 80 Euro pro Meter sowie 250 Euro für jede Hausübergabestation.

Wärmekunden sind gleichzeitig Mitglieder der Genossenschaft

Wilfried Rühling, Vorstandsmitglied der Bioenergiedorf Reiffenhausen eG erklärt die Idee des Projekts: „Wir haben unsere Genossenschaft mit dem Ziel gegründet, die Einwohner des Ortes Reiffenhausen mit günstiger und selbstständig erzeugter Wärme über ein Nahwärmenetz zu versorgen. Die eingesetzte Biomasse – Holz, Gülle und Mais – wird in der Region angebaut. Damit wird der regionale Wirtschaftskreislauf gestärkt, indem die Wärmekunden gleichzeitig Mitglieder der Genossenschaft sind.”

Im August 2009 war Baubeginn, im Frühjahr 2010 wird mit den ersten Wärmelieferungen durch das neue Netz gerechnet.

Förderung aus dem Europäischen Landwirt­schaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums

Gelder aus dem ELER werden gemäß der De-minimis-Verordnung verteilt, was bedeutet, dass die Förderungen ohne größeren Verwaltungsaufwand vergeben, aber auf 200.000 Euro innerhalb von drei Jahren begrenzt sind. Liegen konkrete Konzepte der Antragssteller vor, etwa Integrierte ländliche Entwicklungs- konzepte (ILEK), werden Aufschläge gezahlt. Das Programm läuft noch bis 2013, danach werden voraussichtlich die Konditionen erneut ange­passt. Eine Förderung ist nur in Orten unter 10.000 Einwohnern möglich. Eine offensive Öffentlichkeits- arbeit, die auf die Förderung hinweist, wird erwünscht. Auch eine Evaluierung/ ein Controlling während und nach der Fördermaßnahme ist vorgeschrieben. Es besteht eine Kumulierungs- vorschrift mit anderen öffentlichen, jedoch Nicht-EU-Geldern. Wer Mittel aus dem ELER beantragt, muss mit Kontrollen der EU rechnen.

Kontakt:

Herr Wilfried Rühling
Telefon 05504 – 1423
Email vorstand(at)bioenergiedorf-reiffenhausen.de
Internet www.bioenergiedorf-reiffenhausen.de

 


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