Bürger in Honigsee nutzen Wärme aus Biogasanlage
Die kleine Gemeinde Honigsee, mit 450 Einwohnern, ist landwirtschaftlich geprägt. Daher bietet sich die Energiegewinnung aus Biomasse an. Das dachten sich auch zwei ortansässige Landwirte und haben im Jahr 2007 eine Biogasanlage am Ortsrand erbaut. Zwei Anlagen erzeugen jeweils 500 Kilowatt elektrische und 560 Kilowatt thermische Leistung. Damals, vor dem Bau der Biogasanlage, entstand die Frage wie die Wärme, die als Nebenprodukt bei der Stromerzeugung anfällt, genutzt und somit der Wirkungsgrad der Anlage erhöht wird.
Erneuerbare Wärme für Honigsee
Die Biogasanlagenbetreiber boten der Gemeinde an, die Abwärme für ihr Dorf zu nutzen. Die Laufzeit wäre auf 20 Jahre festgelegt und folgende Bedingungen müssten erfüllt werden: die Gemeinde muss ein geeignetes Wärmenetz auf ihre Kosten errichten und betreiben, sowie eine Wärmenotversorgung bei einem Ausfall der Biogasanlage bereitstellen und die Wärmeabrechnung übernehmen. Die Bürger von Honigsee haben die Herausforderung angenommen und als Gesellschaftsform eine Genossenschaft, die „Energieversorgung Honigdorf e.G.“ gegründet, bestehend aus Bürgermeister, Gemeindevertreter und fachkundigen Bürgern. Die Organisationsform war schnell gefunden, da die Form der Genossenschaft Gleichheit unter ihren Genossenschaftsmitgliedern („ein Mitglied, eine Stimme“) garantiert und Kosten gespart werden können, wie zum Beispiel für laufende Kosten (Prüfungskosten etc.) oder in Eigenleistung erstellte Leistungen. Jede Genossenschaft wird von einem Genossenschaftsverband in betriebswirtschaftlichen und steuerrechtlichen Fragen beraten.
Bürger nehmen Wärmeversorgung selbst in die Hand
Die Genossenschaft nahm die Arbeit auf und recherchierte, suchte Kontakt zu verschiedenen Wärmeleitungsfirmen auf, unternahm eine Besichtigungsfahrt ins Bioenergiedorf Jühnde, ermittelte in Eigenleistung für das gesamte Dorf den Wärmebedarf, sowie eine Rechnung auf Vollkostenbasis für die bestehende und eine alternative Wärmeversorgung für jedes Gebäude. Außerdem stellte sie Berechnungen zum Wärmenetz an und verglich verschiedene Organisationsmodelle für die Wärmeversorgung. Abschließend wurden alle Haushalte von Honigsee detailliert informiert und der Anschluss an das Wärmnetz angeboten. Mehr als 75 Prozent der Haushalte in Honigsee haben sich für die klimafreundliche Wärme entschieden.
Während des Baus der Biogasanlage wurden zeitgleich die Nahwärmeleitungen verlegt. Am 1. Oktober 2007 wurde das erste und Mitte Dezember das letzte Haus ans Nahwärmenetz angeschlossen.
Projekt kostengünstiger als erwartet
Die geplanten Kosten für das 3.000 Meter lange Fernwärmenetz lagen bei 800.000 Euro. Tatsächlich mussten nur 580.000 Euro investiert werden. Grund dafür war die flexible Organisationsform der „Genossenschaft“. Sie erlaubt effektives Kostenmanagement und somit erhebliche Ersparungen bei den geplanten Kosten Das Land Schleswig-Holstein förderte das ehrgeizige und innovative Bürgerprojekt mit 99.999 Euro. Gemeinschaftliche Kosten (Netz, Pumpentechnik, Finanzierung, sonstige Kosten) fielen in Höhe von etwa 200 Euro und individuelle Kosten pro Mitglied (Umbau der Heizungsanlage, Anschlussgebühr) in Höhe von 1.000 Euro an. Der Genossenschaftsanteil betrug 1.500 Euro. Der Preis pro Kilowattstunde abgenommener Wärme liegt bei 3,8 Cent (exklusive Mehrwertsteuer), die zusätzlich von den Haushalten zu den 12 Euro Grundgebühr (exklusive Mehrwertsteuer) zu zahlen sind.
Mehr Vor- als Nachteile
Die Biogasanlage wird mit Holz, Stroh, Gülle und organischen Reststoffen gefüttert. Insgesamt reduziert sich der CO2-Ausstoß um 300 Tonnen pro Jahr durch die klimafreundliche Wärmeerzeugung. Bis es soweit war, hatten die Bürgen aber noch eine Menge Probleme während der Bauphase zu bewältigen: Straßensperrungen, Volllaufen der Gräben durch schwere Regenfälle oder verminderte Heiztemperaturen während der Wartungsarbeiten. Aber auch einige positive Nebeneffekte brachten Umbauarbeiten, wie zum Beispiel die Vornahme von Erneuerungen bei den Straßenlaternen und den Bürgersteigen. Honigsee ist als Sieger der „Energieolympiade 2008“ in der Kategorie „große technische Maßnahme“ hervorgegangen, ist unabhängig von den hohen Heizöl- und Erdgaspreisen und trägt einen wichtigen Anteil zum Klimaschutz bei.
Kontakt:
Energieversorgung Honigsee e.G.
Vorsitzender des Vorstands
Alexander Nicolaisen
Dorfstraße 4
24211 Honigsee
Telefon und Fax: 04302-1201
vorstand(at)energieversorgung-honigsee.de
http://www.energieversorgung-honigsee.de







