Die junge und wachsende Stadt Neu Anspach setzt auf Erneuerbare Energien
Für das neue Gewerbegebiet „Am Kellerborn“ hat die hessische Stadt auf der Grundlage einer Machbarkeitsstudie eine Biomasse-Nahwärmeversorgung errichtet. Darüber hinaus haben die Bürger innerhalb eines Jahres eine zweite Bürgersolaranlage errichtet. Und mit der kostenlosen Energieberatung will die Stadt ihre Bürger beim Bauen und Sanieren ihrer Gebäude animieren, Energie einzusparen und erneuerbar bereitzustellen.
Eine Holzhackschnitzelfeuerungsanlage versorgt das Gewerbegebiet „Am Kellerborn“ mit Wärme
Im Zusammenhang mit der Ausweisung des neuen Gewerbegebietes „Am Kellerborn“ hat die Stadt nach Möglichkeiten gesucht, die zukünftige Wärmeversorgung durch den Einsatz Erneuerbarer Energien zu sichern. Aufgrund einer Machbarkeitsstudie und einer Beurteilung eines Fachingenieurbüros hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und Anlagen- sowie Netzkonzipierung entschieden die städtischen Gremien, das Projekt Nahwärmeversorgung für den Gewerbegebietsbereich zu realisieren. Die Maßnahme wurde mit finanzieller Unterstützung des Bundes und des Landes Hessen umgesetzt.
Die Stadtwerke, als kommunaler Eigenbetrieb der Stadt Neu-Anspach, sind Betreiber der Nahwärmeversorgung. Die Wärme wird überwiegend aus Holz gewonnen. Eine Holzhackschnitzelfeuerungsanlage hat eine Nennwärmeleistung von 650 Kilowatt, ein Öl-Spitzenlastkessel hat eine Nennwärmeleistung von 1.100 Kilowatt. Die installierte Anlage ist für die Versorgung des Gewerbegebiets mit insgesamt 21 Wärmeabnehmern konzipiert und gebaut. Die Wärme soll zu 80 Prozent aus der zentralen Holzheizanlage und zu 20 Prozent über den Öl-Spitzenlastkessel bereitgestellt werden.
Regionale Kreislaufwirtschaft
Das notwendige Holz für die Heizanlage wird aus dem stadteigenen Wald bezogen. Für die Aufbereitung und Lagerung der Hackschnitzel wurde auf einem Außenbereichsgrundstück in ca. fünf km Entfernung vom Gewerbegebiet eine Halle als Energieholz-Zwischenlager errichtet. Ein örtliches Unternehmen übernimmt den Transport vom Lager zur nahegelegenen Heizanlage. Damit bleibt die Wertschöpfung bei der Stadt und die regionale Wirtschaft wird gestärkt. Ein Nahwärmenetz umfasst ca. 230 Trassenmeter und versorgt im 1. Bauabschnitt einen ersten Großabnehmer. Die übrigen Gewerbegrundstücke des 1. Bauabschnittes mit Anschluss an das Nahwärmenetz stehen zum Verkauf bereit. Die Versorgung des Gewerbegebietes mit Wärme über ein zentrales Holzheizwerk mit geringer Umweltbelastung und hoher Versorgungssicherheit verursachte umfangreiche Investitionen. Aus diesem Grund hat die Stadt den Anschluss- und Benutzungszwang in einer Satzung festgelegt. Der abzuschließende Wärmelieferungsvertrag umfasst einen Zeitraum von 15 Jahren.Die an die Nahwärme angeschlossenen Grundstücke haben gegenüber des Betriebs einer eigenen Heizanlage einen Kostenvorteil zwischen 8 und 12 Prozent. „Über die Bereitstellung günstiger Wärme an die Gewerbetreibenden hinaus, leistet unsere Stadt mit der zentralen Wärmeversorgung mit Holz aus dem eigenen Stadtwald einen aktiven und direkten Beitrag zum Ressourcen- und Klimaschutz. Die Nahwärmeversorgung schafft einen Weg in eine unabhängige Energieversorgung und stärkt die regionale Wertschöpfung“, fasst Bürgermeister Klaus Hoffmann zusammen.
Zwei Bürgersonnenkraftwerke
Die zweite Anlage, die vom Verein Sonneninitiative e.V. initiiert und mit Unterstützung der Stadt Neu-Anspach und der Rhein-Main-Deponie GmbH entstanden ist, hat eine installierte Leistung von 45 Kilowatt. Sie befindet sich auf der Sortierhalle der Deponie Brandholz. Zusammen mit der ersten kann sie Strom für rund zwanzig Familien allein aus Sonnenlicht erzeugen. Wird dadurch Kohlestrom ersetzt, ersparen die beiden Anlagen der Umwelt jährlich rund 70 Tonnen des Klimagases Kohlendioxid.
Beide Anlagen gehören Bürgern aus der unmittelbaren Umgebung, den so genannten Teilnehmern, die für ihre Investition die Einspeisevergütung der Sonnenstromproduktion erhalten. Das Dach stellt die Rhein-Main-Deponie GmbH dem Verein zur Verfügung, der es an die Teilnehmer weiter gibt. Der Verein kümmert sich um den technischen Betrieb der Anlage und rechnet die Einspeisevergütung der Süwag für die Teilnehmer ab. Bei der Einweihung gab die Sonneninitiative allen Interessierten einen Einblick in die Funktionsweise der Anlage und berichtete über die Bauphase.
Solarbauseminare
Schon seit 1995 gibt es in Neu-Anspach Seminare, in denen die Bürger informiert werden, wie sie sich ihre Solaranlage für Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung selber bauen können. In Kooperation mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Frankfurt wurde das Projekt initiiert und schon ein Jahr später mit einem ortsansässigen Referenten und Bauleiter und der Stadt in Eigenregie weitergeführt. Seit dem gibt es ein bis zwei Mal pro Jahr das Seminar. Im ersten Teil werden die theoretischen Grundlagen vermittelt, im zweiten Teil dürfen die Teilnehmer auf dem städtischen Bauhof selber Hand anlegen. Auch für diejenigen, die nicht selbst bauen können, bieten die Seminare wertvolle Grundlagen für die Installation und den Kauf einer Solaranlage bei den örtlichen Fachbetrieben.
Energieberatung
Neu-Anspach hat gleich zwei Energieberatungskooperationen: eine mit der kommunalen Energie- und Wasserberatungsstelle des Hochtaunuskreises POWER und die zweite mit der Verbraucherzentrale Hessen. Die Beratung ist bei POWER kostenlos, die Verbraucherzentrale nimmt fünf Euro. Zusätzlich bietet sie Besichtigungstermine vor Ort an. Jeweils einmal pro Monat stellt die Stadt den Energieberatern im Rathaus einen Raum zur Verfügung. Dann können die Bürger sich beraten lassen.
Kontakt:
Stadt Neu-Anspach
Mirjam Matthäus, Leistungsbereich Bauen, Wohnen und Umwelt
Tel. 06081 1025 6010
Kurt Bühner, Stadtwerke Neu-Anspach
Tel. 06081 1025 1040








