Energielandschaft Morbach im Hunsrück
Die 11.000-Einwohner-Gemeinde Morbach im Hunsrück hat im Oktober 2007 den Deutschen Solarpreis in der Kategorie "Kommune" verliehen bekommen. In enger Zusammenarbeit mit der juwi GmbH wurde innerhalb von fünf Jahren das Projekt "Energielandschaft Morbach" mit einem Investitionsvolumen von 35 Millionen Euro verwirklicht.
Bis heute sind 14 Windkraftanlagen mit jeweils 2 MW, eine Photovoltaikanlage mit einer installierten Leistung von 1,1 MW, eine 500 kW große, rein landwirtschaftlich genutzte Biogasanlage, eine Holzpellets-Produktion und zwei Anlagen zur solaren Trinkwasseraufbereitung realisiert. Außerdem gibt es einen Ausstellungs- und Verkaufsraum für Biomasse-Öfen (Hackschnitzel und Holz-Pellets). Öffentliche Gebäude in Morbach sind mit großen Photovoltaikanlagen bestückt, so etwa die Hauptschule (700 m²) und das Rathaus, auf dem eine Bürgerphotovoltaikanlage installiert ist. Zudem hat die Gemeinde Morbach ein eigenes Förderprogramm für erneuerbare Energien aufgelegt. Die erzeugte Strommenge ist mit 50 Millionen Kilowattstunden dreimal höher als der Verbrauch vor Ort.
Die Bürger sind sich einig
Die Akzeptanz ist sehr hoch. Alle Entscheidungen wie Flächennutzungsplanänderungen und Baugenehmigung wurden einstimmig getroffen. "Erneuerbare Energien sind ein wichtiger Baustein für die Zukunft. Durch eine intelligente Nutzung von Wind, Sonne und Biomasse in Verbindung mit einem innovativen Stoffstrommanagement können ökologische und ökonomische Interessen in Einklang gebracht werden", sagt Gregor Eibes, Bürgermeister der Gemeinde Morbach.
Eine rechtzeitige, ausführliche und ehrliche Unterrichtung der Bevölkerung durch die zuständigen Behörden und den Investor hat zur hohen Akzeptanz beigetragen. In Zusammenarbeit mit der Universität Birkenfeld wurde im Vorfeld über Vor- und Nachteile des Vorhabens informiert. Die geplanten Windkraftanlagen wurden in einer Computeranimation eingebaut und der Gemeinde vorgestellt. So konnten sich die Anwohner ein Bild machen, wie ihre Region mit Windkraftanlagen aussehen wird. Darüber hinaus wurden mit Hilfe der lokalen Presse die wirtschaftlichen Vorteile durch Öko-Tourismus und regionale Wertschöpfung hervorgehoben.
Gesamte Gemeinde profitiert von Erneuerbaren Energien
Durch Gewerbeeinnahmen, Konzessionsabgaben, Erlösen aus der Verpachtung an den Anlagenbetreiber und die Möglichkeit der Anwohner, sich finanziell an Projekten zu beteiligen, profitiert die gesamte Gemeinde. Der Anlagenbetreiber bemüht sich, Betriebe aus der Region mit notwendigen Dienstleistungen zu betrauen. Somit bleibt ein Großteil der Wertschöpfung in der Region. Mit dem Gelände gab es nur wenige Nutzungskonflikte, da die meisten Anlagen auf einem ehemaligen Munitionsdepot errichtet worden sind. Als explizite Vorteile der landwirtschaftlichen Biogasanlage nennt die Gemeinde eine Entschärfung der Gülleproblematik, die Entlastung des Grundwassers und eine geringere Geruchsbelastung.
In Morbach ist es gelungen, mit der Energielandschaft Touristen aus aller Welt anzulocken. Insgesamt haben sich bereits etwa 10.000 Besucher für das Projekt interessiert, und die Gemeinde bietet Führungen durch die Energielandschaft an.
Gemeinde plant weitere Anlagen
In Planung sind ein weiteres Windrad, das mit einer Gesamthöhe von 210 m das höchste der Welt sein wird, ein großes Photovoltaiktestfeld sowie eine industrielle Biogasanlage. Auch eine Wärmeversorgung durch Biomassekraftwerke wird angedacht. Für die Morbacher Energielandschaft ist ein Informationszentrum in Planung.








