Engelsberger bauen in Eigenleistung ihr Holzhackschnitzelheizwerk
Engelsberg ist ein Dorf mit 110 Einwohnern, das schon vor etwa 10 Jahren überlegte, wie es sich selbst mit Wärme versorgen kann. Im Dezember 2006 war es geschafft. Das Holzhackschnitzelheizwerk ging ans Netz und versorgt von nun an alle Bürger von Engelsberg.
Genug Holz und Engagement sind vorhanden
Alle 27 Anwesen in Engelsberg gehören Waldbauern und viele von ihnen besitzen weitläufige Waldgrundstücke, deshalb bestand der Wunsch nach einer Möglichkeit des Heizens mit Holzhackschnitzeln schon lange. So startete das Projekt Anfang Oktober 2005. Achim Scholl, ein Bürger Engelsberg erzählt: „Da war das ganze Dorf unterwegs.“. Die Leitungen für das Nahwärmenetz wurden in Eigenleistung verlegt. Auf Anfrage hat ein Ingenieurbüro allen erklärt wie sie verlegt werden. Pro Haus wurden 150 Arbeitsstunden veranschlagt. Wer mehr arbeitete bekam 10 Euro gutgeschrieben, wer weniger arbeitete musste 10 Euro bezahlen. Achim Schmoll erzählt „Wir waren enorm schnell. Normalerweise werden 100 Meter plus drei bis vier Verbindungsstücke pro Tag verlegt – bei uns waren es acht Verbindungen am Tag“. Es haben alle Dorfbewohner mitgearbeitet. Die Rentner tagsüber und abends die Berufstätigen. Zum Endspurt hatten sich alle Bürger drei Wochen Urlaub genommen, um das Projekt fertig zu stellen. „Wir haben alle voll losgelegt und alle haben mitgezogen“, so Schmoll.
Holzhackschnitzelheizwerk und Finanzierung
Das Holzhackschnitzelheizwerk befindet sich in der Dorfmitte, in einem Anbau des Feuerwehrhauses. Der Biomassekessel mit 320 Kilowatt Nennleistung benötigt jährlich etwa 370 – 400 Tonnen Hackschnitzel, die in den sieben vorher leer gestandenen Scheunen und Fahrsilos gelagert werden. Für die Notversorgung steht ein Öl-Spitzenkessel mit rund 200 Kilowatt Nennleistung bereit. Für zehn weitere Häuser ständen noch Reservekapazitäten zur Verfügung. Träger der Baumaßnahme war die Gemeinde. Die Anlage betreibt aber die Genossenschaft. Technisch betreut wird die Anlage vom Nachbarn des Feuerwehrhauses. Insgesamt mussten Investitionen von 323.000 Euro getätigt werden. Etwa 60 Prozent steuerte das Bayrische Dorfentwicklungsprogramm bei. Ein Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro konnte das Dorf Engelsdorf dazusteuern, da es den „E.ON- Umweltpreis“ gewann. Der Restbetrag wurde von der KfW Bankengruppe finanziert.
Darüber hinaus wurde auf dem Heizwerk 2008 eine 10,35 kwh Photovolltaikanlage installiert.
Mit der Realisierung dieses Projekts sind die Engelsberger nicht nur ihre eigenen Energiewirte mit einer eigenständigen Wärmeversorgung, sondern sichern auch noch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Jährlich bleiben etwa 36.000 Euro in Engelsberg, weil die Holzheizanlage mit Hackschnitzeln aus der Region beliefert wird. Außerdem werden fast 300 Tonnen CO2-Emissionen jährlich eingespart.
Positive Effekte und neue Ideen
Insgesamt hat das Projekt die Dorfgemeinschaft enorm gestärkt. Engelsberg hat mit diesem Gemeinschaftsprojekt 2007 den Preis im Wettbewerb „Dorf vital“ in der Kategorie „Dörfer mit herausragenden Teilleistungen zur Vitalitätsverbesserung“ gewonnen. Nebenbei ist für die Jugend von Engelsberg im Feuerwehrhaus ein Raum entstanden in dem sie sich treffen können. Außerdem konnte der Spielplatz für die Kinder renoviert werden.
Die Bürger von Engelsberg werden aber nicht ruhen: Sie haben schon eine neue Idee im Bereich Erneuerbare Energien – Strom aus Holz.
Kontakt:
Markt Lauterhofen (Oberpfalz) Ortsteil Engelsberg
Herr Bürgermeister Peter Braun
Marktplatz 11
92283 Lauterhofen
Tel.: (0 91 86) 93 10-0
Fax: (0 91 86) 93 10-30
www.lauterhofen.de/ortsteile/engelsberg/engelsberg_bioenergiedorf.asp







