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Gehrden-Lenthe: Lokale Landwirtschaft versorgt Dorf mit Wärme

Hugo Schleupen von der Gutsgemeinschaft Lenthe zeigt die Hauptleitung des Nahwärmenetzes. Zwei Rohre mit großem Querschnitt liegen in der Straße; die kleinere Doppel-Leitung führt zu jedem Verbraucher.

Die Biogasanlage befindet sich seit 2006 am Ortsrand von Lenthe, 600 Meter vom Dorfkern entfernt.

Die Nahwärmeleitung wird im Dorfkern von Lenthe verlegt. Foto: Gutsgemein- schaft Lenthe.

Hausbesitzer erhalten Biogas-Wärme kostenlos

Im Dorf Lenthe bei Hannover haben sich die Interessen von Landwirtschaft und Hausbesitzern in einem pfiffigen Wärmekonzept getroffen: Die „Gutsgemeinschaft Lenthe GbR“ erzeugt mit ihrer Biogasanlage nicht nur Strom für rund 1.300 Haushalte, sondern schickt ihre Abwärme über ein wachsendes Nahwärmenetz auch an 20 Gebäude.

Die Idee stammt von Hugo Schleupen, dem Verwalter der Gutsgemeinschaft Lenthe. „Ich habe nach einem neuen Betriebszweig gesucht, um die Biomasse noch zu veredeln und zudem einen zusätzlichen Gewinn zu erwirtschaften“, sagt Hugo Schleupen. 1,6 Millionen Euro hat die Gutsgemeinschaft in die Biogasanlage investiert. Finanziert hat man dies mit einem Kredit der bundeseigenen KfW-Förderbank zu 3,6 % Zinsen. Einnahmen erzielt man durch den Stromverkauf ins öffentliche Netz. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ermöglicht hierbei eine Einspeisevergütung von 20,8 Cent/kWh.

Anwohner sparen Wärmekosten

Hans-Joachim Neumann, ein Bauherr aus dem angeschlossenen Neubaugebiet, wollte seine Wärmekosten reduzieren. Er hat zusammen mit Schleupen Überzeugungsarbeit geleistet: „Ich bin vor Baubeginn von Tür zu Tür gegangen und habe um Vertrauen geworben.“ Die beiden entwickelten konkrete Finanzierungsvorschläge für ihre Mitbürger.

Die Biogasanlage in Lenthe startete 2006 mit der Vergärung nachwachsender Rohstoffe, z.B. Mais, Getreide-Ganzpflanzen, Gras, Sonnenblumen, Zuckerrüben und Zuckerhirse. Die Pflanzen werden rund um den Ort angebaut. Das durch die Vergärung in den Biogasanlagen entstehende Biogas wird in zwei Blockheizkraftwerken (BHKW) direkt an der Biogasanlage zu Strom und Wärme umgewandelt. Mit der Stromproduktion kann der jährliche Strombedarf von 1.270 Durchschnittshaushalten gedeckt werden. Das entspricht rund 30 % der Gehrdener Privathaushalte.

Infokasten: Gehrden-Lenthe (Niedersachsen)

 

  • insgesamt 15.000 Einwohner, Ortsteil Lenthe: 800 Einwohner
  • teilweise Versorgungsgebiet der Stadtwerke Hannover
  • seit 2008 Klimaschutz-Aktionsplan der Stadt Gehrden
  • Beratung durch die Klimaschutz-Agentur der Region Hannover

 

 

Wärme fließt über Nahwärmenetz zu Wohnhäusern

Die Abwärme wird zu einem geringen Teil zur Beheizung der Gärbehälter der Biogasanlage benötigt. Der Rest kann über ein Nahwärmenetz an Wohnhäuser im Dorf Lenthe für Heizung und Warmwasserbereitung verteilt werden. Außerhalb der Heizperiode dient die Wärme zum Trocknen von Raps, Weizen oder anderen landwirtschaftlichen Produkten.

Das derzeitige Nahwärmenetz hat bei einer maximalen Entfernung zu den einzelnen Abnahmestellen von 650 m eine Gesamtrohrlänge von 1.200 m. Der Temperaturverlust liegt bei maximal 5 °C. Die Biogasanlage stellt den Verbrauchern 75 °C warmes Wasser direkt vom BHKW über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren zur Verfügung. Im Gegenzug hat jeder Hausbesitzer die Finanzierung der Wärmeleitungen übernommen: Im Durchschnitt waren dies einmalig rund 11.000 Euro für die Hauptleitung mit dem Notheizkessel, 2.500 Euro für die Übergabestation sowie etwa 80 Euro pro Meter für den Hausanschluss. Die Lenther haben hierfür den Verein „Fernwärme Lenthe e.V.“ gegründet.

Wolfgang Middelberg, der Leiter des Bauamtes von Gehrden, hebt die Vorteile für die Hausbesitzer hervor: „Der Bauherr spart die Finanzierung von Heizung, Gasanschluss und Schornstein, zusammen rund 6.100 Euro.“ Und: „Anders als beim Heizen mit Erdgas oder Erdöl brauchen Endverbraucher hier nichts mehr für die Wärme zu zahlen.“ Fällig werden pro Haus und Jahr nur 144 Euro für die Pumpleistung von der Anlage zu den Häusern.

Erweiterung mit Biogasleitung und zusätzlichem Blockheizkraftwerk

Hugo Schleupen hat bereits neue Pläne in der Schublade: „Wir wollen im Jahr 2010 unsere Biogasanlage am bisherigen Standort erweitern.“ Durch bessere Auslastung könne die Biogas-Produktion künftig noch um 50 % gesteigert werden. Im Ort haben sich bereits zahlreiche Bürger gemeldet, die die günstige Wärme nutzen wollen. Schleupen plant für die voraussichtlich 14 weiteren Gebäude im Dorf nur ein kleines Nahwärmenetz, um die Wärmeverluste gering zu halten. Die Entfernung wird stattdessen mit einer 600 Meter langen Biogasleitung überbrückt, an deren Ende ein weiteres Blockheizkraftwerk im Dorf effizient Strom und Wärme erzeugt. Die Hauseigentümer werden erneut wieder die Baukosten übernehmen. Man rechnet mit einem Investitionsvolumen von 200.000 Euro. Dabei sind die Fördermittel aus dem Marktanreizprogramm des Bundes noch nicht berücksichtigt.

Der Bürgermeister von Gehrden, Hermann Heldermann, ist von den erfolgreichen Projekten rund um die Biogasanlage in Lenthe begeistert: „Sie sind gut für unsere Kommune. Schließlich haben wir als erste Gemeinde in der Region Hannover ein eigenes Klimaschutzprogramm aufgestellt.“

 

 

Kontakt:

Gutsgemeinschaft Lenthe
Hugo Schleupen, Verwalter der Gutsgemeinschaft
Winterstraße 23
30989 Gehrden

Tel. 05137 3718

gutsgemeinschaft[at]arcor.de

 

Stadt Gehrden
Hermann Heldermann, Bürgermeister
Kirchstraße 1-3
30989 Gehrden

Tel. 05108 64040

heldermann[at]gehrden.de

 

 

Kenndaten Projekt Lenthe

Jahr der Realisierung

2006; geplante Erweiterung 2010

Art der Maßnahme

Biogasanlage mit Nahwärmenetz sowie Trocknung von landwirtschaftlichen Produkten

Technologie

2.300 m³ Fermenter, 2.300 m³ Nachgärer, 3.000 m³ Lager, 2 BHKW, Silo (15.000 t), Nahwärmenetz (Rohrlänge: 1.200 m)

geplant: Biogasleitung (600 m; Mikrogasnetz) mit BHKW und zweites Nahwärmenetz (600 m Rohrlänge)

Leistung

2 x 220 kW thermisch / 2 x 265 kW elektrisch; geplante Erweiterung auf 660 kW thermisch / 795 kW elektrisch

genutzte Biomasse und Herkunft

täglich 22 t nachwachsende Rohstoffe von 170 ha Fläche (Anbau der Gutsgemeinschaft und Nachbarn)

Wohn-/Nutzfläche, Wärmenutzung

4.000 m2 Wohnfläche, Trocknung von 5.000 t landwirtschaftlichen Produkten

20 bisher angeschlossene Gebäude, davon 7 älter als 100 Jahre, 7 weitere nicht älter als 20 Jahre und 6 Neubauten, Baujahr 2006

14 Haushalte zusätzlich nach Erweiterung

Stromerzeugung

4,3 Mio. kWh/Jahr, geplant: 6,5 Mio. kWh/Jahr

Wärmeabgabe

3,1 Mio. kWh/Jahr, geplant: 4,5 Mio. kWh/Jahr

Investitionskosten

Biogasanlage: 1,6 Mio. Euro

Hauptleitung des Nahwärmenetzes mit Notheizkessel: 220.000 Euro

sonstige Kosten für Nahwärmenetz: 100.000 Euro

Förderung

Darlehen der KfW-Bankengruppe, Marktanreizprogramm (MAP)

jährliche Einsparungen

Nahwärmenetz: ca. 30 % bisheriger Wärmekosten

Dünger: 50.000 Euro (Ersatz durch Gärrest)

Heizöl (Trocknung von landwirtschaftlichen Produkten)

Amortisationszeit

7 Jahre

CO2-Vermeidung

ca. 2.300 t CO2/Jahr durch Strom und Wärme; zusätzlich 1.150 t CO2/Jahr nach Erweiterung

Beteiligte

Gutsgemeinschaft Lenthe GbR, Nahwärme Lenthe e.V., Stadt Gehrden (Leitungsverlegung)

 

 


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