Gemeinde Unterhaching
Die Gemeinde Unterhaching bei München betreibt seit Oktober 2007 das bundesweit größte Erdwärmekraftwerk. Durch die Nutzung der Erdwärme werden mehr als 30.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermieden. Das entspricht der Hälfte des Kohlendioxidausstoßes aller Haushalte der rund 22.000 Einwohner zählenden Gemeinde. "Für die Gemeinde Unterhaching ist die Geothermie ein wichtiger Standortfaktor und hat eine Signalwirkung für eine nachhaltige Energieversorgung", erklärt Bürgermeister Wolfgang Panzer.
Energie aus 3.300 Meter Tiefe
99 Prozent unseres Planeten sind heißer als 1000 Grad Celsius. Diese unerschöpfliche Energiequelle nutzt die Gemeinde Unterhaching für die Wärme- und Stromerzeugung. Durch eine Förderbohrung wird aus über 3.300 Meter Tiefe bis zu 122 Grad Celsius heißes Thermalwasser an die Erdoberfläche gepumpt. Nach der Nutzung zur Strom- und Wärmegewinnung wird das abgekühlte Thermalwasser über eine zweite Bohrung, die Reinjektionsbohrung, wieder in die Erde geleitet.
Wärme und Strom
Die Tiefengeothermieanlage kann in Unterhaching bis zu 38 Megawatt thermische Leistung erzeugen und deckt damit den Grundbedarf an Wärme. Ein derzeit über 24 Kilometer langes Fernwärmenetz bringt die Wärme zu den Bürgern.
Wenn im Frühjahr der Wärmebedarf abnimmt, wird das überschüssige Thermalwasser zur Stromproduktion genutzt. Im Mai 2008 wurde erstmals in Deutschland die effiziente "Kalina-Technik" eingesetzt. Bei relativ niedrigen Temperaturen erwärmt das heiße Wasser ein Ammoniak-Wasser-Gemisch und es entsteht Dampf. Dieser Dampf treibt Turbinen an, die Strom erzeugen. Es handelt sich um die zweite Anlage dieser Art in Europa nach einer in Island. In Unterhaching hat das Kraftwerk eine Leistung von 3,36 Megawatt und soll durchschnittlich den Stromverbrauch von rund 8.000 Haushalten decken.
Investitionskosten und Potenziale der Geothermie
Das Gesamtinvestitionsvolumen des Geothermieprojektes betrug circa 72 Millionen Euro. Die Gemeinde gründete für die Umsetzung des Projektes eine GmbH. Die Finanzierung wurde mit Eigenmitteln der Gemeinde, Beteiligungen aus der Wirtschaft und Fördermitteln bewerkstelligt.
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit unterstützte den erstmaligen Einsatz der umweltfreundlichen "Kalina-Technik" zur Stromerzeugung. Darüber hinaus wurden die erforderlichen seismischen Untersuchungen und die wissenschaftliche Projektbegleitung durch das Energieforschungsprogramm der Bundesregierung gefördert. Auch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie unterstützte das für Deutschland bislang einmalige Projekt.
Nach Schätzungen von Experten liegt das Investitionsvolumen für die in Deutschland in Planung und im Bau befindlichen Projekte für die tiefengeothermische Energieerzeugung bei circa 6 Milliarden Euro. Allein in Bayern könnte zukünftig 10 Prozent des bisherigen Fernwärmebedarfs durch tiefengeothermische Energie gedeckt werden.
Geothermie - Eine sichere Energiequelle
Die Bürger Unterhachings sehen steigenden Energiekosten für die Wärme- und Stromerzeugung gelassen entgegen. Die Erdwärme ist günstig, krisensicher und erhöht die Unabhängigkeit vom Weltmarkt. Da die Kostenentwicklung fossiler Energieträger weiter in die Höhe geht, verbessern sich die Wettbewerbsbedingungen für Erdwärme stetig. Daneben steigt die Attraktivität des Unternehmensstandorts Unterhaching durch niedrige und kalkulierbare Energiekosten.
Die Nutzung von Erdwärme bietet nach Ansicht der Gemeindeverwaltung einen entscheidenden Vorteil: Erdwärme ist unabhängig von Tageszeit und Wetter. Sie liefert 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr Energie.
Pilotprojekt mit Ausstrahlung
Das Unterhachinger Projekt ist eines der wichtigsten Pilotprojekte zur Nutzung von Geothermie als alternative Energiequelle weltweit. Es entwickelt sich zu einem Musterbeispiel für die wirtschaftliche Nutzung Erneuerbarer Energien in Deutschland. Die hier eingesetzte Geothermietechnologie könnte zu einem weiteren Exportschlager "Made in Germany" werden. Etwa 150 Tiefengeothermie-Projekte zur Wärmenutzung oder zur Stromerzeugung sind bundesweit in Planung.
Kontakt:
Gerlinde Kittl
Geschäftsführerin
Geothermie Unterhaching GmbH & Co KG
Rathausplatz 7
82008 Unterhaching
Tel. 089/66 551-220
Fax. 089/66 551-271
eMail: geothermie(at)unterhaching.de








