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Karlsbad: Holzenergie mit Lieferservice

Die Gemeinde Karlsbad liegt am Rande des Schwarzwalds. Foto: Ulrich Büge/Fotostudio Schandel.

Das Heizhaus am Schul- und Sportzentrum beherbergt den Holzhackschnitzelkessel, der das Nahwärmenetz versorgt.

Dr. Klaus Rösch, Leiter des Karlsbader Umweltamts, vor dem Holzhackschnitzelkessel.

Schule und Sportzentrum senken Kosten mit Contracting

Die Gemeinde Karlsbad hat nach einer gründlichen Sanierung für ihr Schul- und Sportzentrum eine besonders elegante Lösung gewählt: Die kostenstabile Wärmeversorgung übernimmt ein Contracting-Unternehmen. Es garantiert Wärmelieferung und Anlagenbetrieb zu festen Preisen. Der Brennstoff kommt aus dem nahe gelegenen Schwarzwald.

Freundliche Lebens- und Arbeitsbedingungen herrschen in Karlsbad, das am Nordrand des Schwarzwaldes und hundertfünfzig Höhenmeter über der sonnigen Rheinebene liegt. Die klimatisch begünstigte Gemeinde beherbergt in fünf Ortsteilen etwa 16.000 Einwohner. Ein örtliches Klinikum und Rehazentrum, Industriegebiet und zahlreiche mittelständische Gewerbebetriebe stellen zusammen rund 6.000 Arbeitsplätze.

Erst energetische Gebäudesanierung…

Die meisten Gebäude des Schulzentrums in Langensteinbach stammen aus dem Jahr 1972 und verursachten drei Jahrzehnte später wegen mangelhafter Isolierung und steigender Energiepreise immer höhere Kosten. Klaus Rösch, Leiter des Garten- und Umweltamtes, hielt eine ökologische Gebäudeheizung zu wirtschaftlichen Konditionen für machbar. Auf seine Initiative hin beauftragte die Gemeinde die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA), eine wirtschaftliche Lösung zu finden – entweder durch eine Erneuerung der Stromheizung oder durch Warmwasser-Heizkörper, gespeist über ein Nahwärmenetz von einem Erdgas- oder wahlweise Holzkessel. „Die Energieagentur ermittelte daraufhin eine Warmwasserheizung mit dem Energieträger Holz als weitaus günstigste Variante“, resümiert Klaus Rösch. „Diese Studie überzeugte schließlich auch Skeptiker im Gemeinderat von der wirtschaftlichen Machbarkeit unseres Energieprojekts.“

…dann Austausch der Heizungsanlage

Zunächst ließ die Gemeinde in den Jahren 2003 und 2004 das Schul- und Sportzentrum mit neuen Fenstern sowie moderner Dachisolierung und -dämmung sanieren. Danach sollten die veralteten Elektro-Speicherheizungen durch moderne Wärmetechnik ersetzt werden. Danach ging es an den Austausch der alten Elektroheizungen. Nach der einstimmigen Entscheidung des Gemeinderates im Jahr 2004, das Schul- und Sportzentrum in Karlsbad-Langensteinbach über ein Nahwärmenetz mit Holzenergie im Contracting-Verfahren zu beheizen, schrieb die KEA die Wärmeversorgung europaweit aus. Den Zuschlag erhielt der Energiedienstleister KWA Contracting AG. Dieser installierte einen 600 kW starken Brennwertkessel für Holzhackschnitzel zur Deckung der Grundlast sowie einen 1.120 kW großen Heizöl-Zusatzkessel für die Spitzenlast.

Durch das Contracting-Modell verursachen weder die Brennstoffversorgung noch der Betrieb der Heizzentrale der Gemeinde Mehraufwand. Ein langfristig angelegter Contracting-Vertrag regelt die Konditionen der Energielieferung. Darin verpflichtet sich der Wärmelieferant als Contracting-Geber zur Brennstofflieferung sowie zur Wartung und Instandhaltung der Heizzentrale. Die Gemeinde bezahlt lediglich die gelieferte Wärmeenergie zu einem bestimmten Preis pro Kilowattstunde.

Infokasten: Karlsbad (Baden-Württemberg)

 

  • 16.000 Einwohner, Nordrand des Schwarzwaldes
  • keine eigenen Stadtwerke
  • kostenlose Energieberatung durch das Garten- und Umweltamt
  • Beratung durch die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA)

 

 

Holzhackschnitzel decken 90 % des Wärmebedarfs

Nach einer kurzen Bauphase von Mai bis September 2005 ging das Wärmenetz für Gymnasium, Haupt- und Realschule, Sport- und Veranstaltungshallen in Betrieb. Im Jahr 2007 wurde noch eine neu gebaute Sporthalle ans Netz angeschlossen. In der gemeinsamen Heizzentrale wird ein Kessel mit Holzhackschnitzeln aus der Region befeuert. Er deckt den Wärmebedarf des Schulzentrums von aktuell 1,8 Mio. kWh/Jahr (2008) für Gebäudeheizung und Brauchwasser zu mehr als 90 %. Ein Heizöl-Zusatzkessel springt lediglich bei Spitzenlasten im Winter an und erwärmt im Sommer das Brauchwasser. Trotz der Erweiterung um die neue Sporthalle liegen Verbrauch und Kosten heute niedriger.

Im Hackschnitzel-Brennwertkessel mit Vorschubrost-Holzfeuerung und seinem angeschlossenen 150 m³ großen Brennstofflager werden naturfeuchte Hackschnitzel aus Schwachholz umliegender Wälder sowie Landschaftspflegeholz aus dem Umland verbrannt. „Damit haben wir uns fast völlig unabhängig von Energieimporten gemacht und leisten mit der Holzheizung im Schulzentrum Karlsbad-Langensteinbach auch einen bedeutenden Beitrag zur Nutzung regional verfügbarer Energieträger.“

Sauberer heizen, lokale Wertschöpfung stärken

„Außerdem bleiben Wertschöpfung und Erlös unserem Wirtschaftsraum erhalten“, erklärt der promovierte Agraringenieur Klaus Rösch. „Alles in allem läuft unsere Anlage nahezu störungsfrei. Sie verschafft uns sogar mehr Versorgungssicherheit beim Beheizen des Schulzentrums als die Elektro-Speicherheizung vorher – und schließlich noch einen deutlich höheren Lern- und Arbeitskomfort.“

Dank Rauchgaskondensator kann die Wärme besonders sauber und effizient genutzt werden. Der Rauchgaskondensator erhöht die Wärmenutzung um 10-20 % und senkt die Schadstoffemissionen. So liegt etwa der Staubgehalt des Abgases unter 50 Milligramm pro Kubikmeter, das ist weniger als ein Drittel des gesetzlichen Grenzwertes einer vergleichbaren genehmigungspflichtigen Anlage.

Das Beispiel in Karlsbad-Langensteinbach findet hohe Akzeptanz bei Schülern, Lehrern und Gemeinde. Mittlerweile macht es auch andernorts Schule. Eine Nachbargemeinde hat sich schon entschlossen, ebenfalls auf wirtschaftliches und ökologisches Heizen mit regionaler Holzenergie im Contracting-Verfahren umzustellen. Und die Gemeinde Karlsbad selbst lässt schon bald auch ihre Schule im Ortsteil Ittersbach von einem Energielieferanten mit einem Holzhackschnitzelkessel ausrüsten und beheizen.

 

 

Kontakt:

Gemeinde Karlsbad
Dr. Klaus Rösch, Leiter Garten- und Umweltamt
Industriestraße 16-18
76307 Karlsbad

Tel. 0162 2994688, 07248 9144-813

klaus.roesch[at]karlsbad.de

 

IBS Ingenieurbüro Schuler GmbH
Flößerstr. 60/3
74321 Bietigheim-Bissingen

Tel. 07142 9363-0

www.ing-buero-schuler.de

 

KWA Contracting AG
Anton Lutz/ Rainer Wegscheider
Flößerstr. 60/3
74321 Bietigheim-Bissingen

Tel. 07142 9363-90

a.lutz[at]kwa-ag.de
r.wegscheider[at]kwa-ag.de

 

Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) GmbH
Kaiserstraße 94 a
76133 Karlsruhe

Tel. 0721/98471-0

www.kea-bw.de

 

 

Kenndaten Projekt Karlsbad

Jahr der Realisierung

2003 - 2005

Art der Maßnahme

Energetische Gebäudesanierung (Austausch der Fenster, Dachisolierung, Dachdämmung), neue Heizzentrale mit Nahwärmenetz

Technologie

Holzhackschnitzel-Kessel mit automatischer Schubstangen-Beschickung, Rauchgaskondensator, Vorratssilo 150 m³; Heizöl-Zusatzkessel für Lastspitzen; Nahwärmenetz (800 m, Kunststoffmantelrohr)

Leistung

600 kW thermisch (Holzhackschnitzel-Kessel)

1.120 kW thermisch (Heizölkessel)

genutzte Biomasse und Herkunft

Wald- und Landschaftspflegeholz, regionaler Zulieferer (10 km Umkreis)

Wohn-/Nutzfläche

18.000 m² inklusive neue Sporthalle

Um- oder neugebaute
Wohn-/Nutzeinheiten

Umbau 16.200 m² (sanierte Schul- und Sportgebäude)

Neubau 1.800 m² (neue Sporthalle, Fertigstellung und Anschluss an das Nahwärmenetz 2007)

Wärmebedarf vorher

144 kWh/m² (ohne neue Sporthalle)

Wärmebedarf jetzt

122 kWh/m² (ohne neue Sporthalle)
116 kWh/m² (mit neuer Sporthalle)

Investitionskosten

1,8 Mio. Euro (Contracting-Geber) für Heizzentrale, Wärmenetz, Verrohrung, Heizkörper und Steuerung

1,6 Mio. Euro (Gemeinde) für energetische Gebäudesanierung

Förderung

KfW-Bankengruppe: 149.000 Euro für Umrüstung auf Holzenergie

Förderprogramm Energieholz des Landes Baden-Württemberg: 75.000 Euro an Contracting-Geber für Rauchgasreinigungsanlage mit Wärmerückgewinnung

jährliche Einsparungen

Energiekosten 2002: 97.000 Euro für Stromheizung in den unsanierten Gebäuden (vor Strompreiserhöhung)

Energiekosten 2004: 122.000 Euro für Stromheizung in den sanierten Gebäuden

Energiekosten 2008: 63.000 Euro für Holzheizung in sanierten Gebäuden und neuer Sporthalle

CO2-Vermeidung

850 t CO2/Jahr durch Einsatz von Holzenergie

Beteiligte

Gemeinde Karlsbad, IBS Ingenieurbüro Schuler GmbH, KWA Contracting AG Bietigheim-Bissingen

 

 


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