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Siegen: Siedlung der 50er effizient modernisiert

Hans-Georg Haut ist Vorstand der Wohnstättengenossenschaft Siegen eG (WGSeG), zu der die Lindenberg-Siedlung gehört.

Die Lindenberg-Siedlung in der Wetzlarer Straße vor der Sanierung. Foto: WGSeG

Die Lindenberg-Siedlung als Solarsiedlung nach erfolgreicher Sanierung. Foto: WGSeG

Die Lindenberg-Siedlung spart 85 %

Im Dreiländereck von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz liegt Siegen, das wirtschaftliche und kulturelle Oberzentrum der Region Siegerland-Wittgenstein. 1974 überschritt man erstmals die 100.000-Einwohner-Grenze und kann sich seither offiziell als Großstadt bezeichnen. Mittelständische Betriebe – häufig aus dem Metallbereich und dem Maschinenbau – auf der einen Seite und die Universität mit ihren mehr als 12.000 Studenten auf der anderen Seite prägen das Bild der Stadt.

Am östlichen Stadtrand, etwa 2,5 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, liegt der Stadtteil Lindenberg. Seit dem Jahr 2007 gibt es in der Wetzlarer Straße 29-45 ein ganz besonderes Mietobjekt. Es handelt sich um vier 3-geschossige Häuserblocks mit insgesamt 54 Wohneinheiten. Sie wurden Mitte der 1950er Jahre errichtet, um den Wohnungsbedarf nach dem Zweiten Weltkrieg zu decken. In die Jahre gekommen, boten sie schon lange kein gutes Bild mehr. In rund einjähriger Arbeit verwandelte man die Wohnanlage in eine moderne Solarsiedlung.

Die Idee, hier nicht nur die nötigsten Instandhaltungsarbeiten, sondern eine grundlegende Sanierung vorzunehmen, stammt maßgeblich von Hans-Georg Haut. Er ist geschäftsführender Vorstand der Wohnstättengenossenschaft Siegen eG (WGSeG) der unter anderem die Siedlung in der Wetzlarer Straße gehört. „Das Dach war undicht und wir haben uns gesagt, es bringt überhaupt nichts, nur das Dach zu erneuern. Damit hätten wir nichts für die Zukunft getan, sondern nur den Bestand erhalten und das wollten wir nicht“, erklärt Haut das besondere Engagement seiner Wohnungsbaugenossenschaft.

Und er fährt fort: „Wir haben natürlich auch gesehen, dass die fossile Energie endlich ist, und haben uns vor diesem Hintergrund überlegt: Wie sollen wir hier weiter vorgehen?“ Nachdem er dann eine Solarsiedlung in Bonn-Tannenbusch besichtigen konnte, war für Haut die Entscheidung gefallen, ein ähnliches Konzept auch in der Siegener Lindenberg-Siedlung zu realisieren.

Wirtschaftlichkeit dank Gebäudesanierung und Erneuerbaren Energien

Ein wichtiger Leitgedanke war, auch für die Wirtschaftlichkeit des gesamten Projektes, von Anfang an „Nägel mit Köpfen zu machen“ und so innerhalb der nächsten 20 bis 30 Jahre keinen Sanierungsbedarf bei diesem Objekt mehr zu haben. So schnürte man ein ganzes Bündel von Maßnahmen, das der Lindenberg-Siedlung innerhalb von zwei Jahren ihr ganz neues Gesicht verlieh.

Zunächst einmal ging es dabei um die Dämmung der Gebäudehülle. Dieser Bauabschnitt begann Ende 2006 und umfasste die folgenden Arbeiten: Die Dämmung der Kellerdecke mit 10 cm dickem Dämmmaterial. Die Dämmung der Fassaden mit 16 – 22 cm und eine Aufschlämmung mit 20 cm. Zudem wurden alle Fenster durch moderne, Wärme isolierende Modelle ausgetauscht.

Eine weitere wichtige bauliche Maßnahme war, die alten Balkone zu entfernen. Diese Bauteile stellen Wärmebrücken dar, über die erhebliche Anteile der Wärmeenergie ungenutzt an die Außenwelt abgegeben werden. Sie wurden durch moderne aufgeständerte Alubalkone ersetzt, die nun nicht nur der Vermeidung von Wärmebrücken, sondern auch als Blickfang dienen.

Infokasten: Siegen (Nordrhein-Westfalen)

 

  • 105.000 Einwohner, Universitätsstadt
  • Siegener Versorgungsbetriebe (75 % kommunal); bieten Wärme- und Erdgas-, aber keine Stromversorgung
  • seit 1995 städtisches Solarförderprogramm, ca. 1,6 MW Photovoltaik- und 3.268 m² Solarthermie-Anlagen im Stadtgebiet
  • seit 1998 Klimaschutzkonzept, 24 % Energieeinsparung in städtischen Gebäuden, gezielter Ausbau von Blockheizkraftwerken

 

 

Strom und Wärme von der Sonne

Zum Heizen wurden blockweise zentrale Erdgas-Brennwertkessel installiert, die durch Solarthermie-Anlagen mit einer Größe von 97 m2 und Pufferspeicher mit einer Kapazität von 1.000 Liter ergänzt wurden. Da die Dächer eine für die Nutzung der Sonnenenergie günstige Südausrichtung aufweisen, montierte man zusätzlich Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 66 kWp. Damit erzeugten die Häuserblocks im Jahr 2008 56.000 kWh Strom. Zum Vergleich: Ein 4-Personen-Haushalt verbraucht jährlich ungefähr 4.000 kWh Strom. Der so gewonnene Strom wurde komplett in das öffentliche Netz eingespeist. Eine solche Baumaßnahme macht sich auch unabhängig von der energetischen Gebäudesanierung mittelfristig auf jeden Fall bezahlt, da die Vergütung des eingespeisten Stroms gesetzlich durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschrieben ist. Solarstrom stellt also eine sichere Einnahmequelle dar. Der besondere Clou der Sanierungsmaßnahmen ist die Installation einer zentralen Belüftungsanlage pro Block. Derartige Installationen werden derzeit in Mietshäusern nur sehr selten durchgeführt.

Hans-Georg Haut ist dennoch auch davon 100-prozentig überzeugt: „Jede Wohnung ist an eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung angeschlossen, sodass wir 90 % der Energie nicht mehr zum Fenster rauslassen, sondern wieder zurückgewinnen können.“ Außerdem lasse sich die Schimmelbildung in Wohnungen zuverlässig vermindern.

Massive Einsparungen und sichere Finanzierung

Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass in der Lindenberg-Siedlung pro Jahr ca. 320 Tonnen CO2 eingespart werden können und der jährliche Energiebedarf von früher ca. 250 kWh/m2 auf 39 kWh/m2 gesenkt wurde. Das ist immerhin eine Reduzierung um ca. 85 %.

Um die Sanierungen zu finanzieren, waren Mittel in Höhe von gut 3,5 Millionen Euro nötig. Den größten Teil davon, nämlich 50.000 Euro pro Wohnung (insgesamt also 2,7 Millionen Euro), konnte die Wohnungsbaugenossenschaft mithilfe des CO2-Gebäudesanierungsprogramms der KfW-Förderbank aufbringen. Das Programm hat die Besonderheit, dass bei Einhaltung bzw. Unterschreitung der Werte für den jährlichen Energiebedarf nach § 3 der Energieeinsparverordnung (EnEV) ein Teilerlass der Schulden möglich ist. Der Wohnungsbaugenossenschaft ist es so gelungen, 10 % der Kreditsumme als Zuschuss zu erhalten.

144.000 Euro gab es vom Land NRW als Zuschuss für die Siedlung aus dem Programm „50 Solarsiedlungen“. Die Solarsiedlungen verbinden Klimaschutz vorbildlich mit Wirtschaftlichkeit.

Die restlichen Mittel brachte die Siegener Wohnungsbaugenossenschaft aus eigenen Mitteln auf. Hans-Georg Haut ist mit dem Verlauf der Arbeiten und natürlich auch dem Ergebnis sehr zufrieden. Das werde auf keinen Fall die letzte derartige Sanierung sein, betont er. Abschließend hat er noch ein paar hilfreiche Ratschläge für andere Bauherren parat: „Schalten Sie auf jeden Fall einen Energieberater bei der Planung ein und sprechen Sie auch schon in einem so frühen Stadium mit einer Bank über die Finanzierung. Und dann sollten Sie nicht kleckern, sondern klotzen. Es ist nämlich nur wenig hilfreich, eine Heizung zu sanieren und die Fassade nicht zu dämmen.“

Mittlerweile gilt die Lindenberg-Siedlung als eines der Vorzeigeprojekte, wenn es um die gelungene energetische Sanierung von Wohnungsbestand aus den 1950er Jahren geht. Es vergeht kaum ein Monat, in dem es keine Besichtigungen der Wohnanlage durch interessierte Architekten oder Besitzer ähnlicher Immobilien gibt, weiß Hans-Georg haut zu berichten. Auch sein Unternehmen möchte sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Man wolle nun neue Kräfte schöpfen, und dann mit neuem Elan das nächste Projekt dieser Art angreifen.

 

 

Kontakt:

Wohnstättengenossenschaft Siegen eG (WGSeG)
Hans-Georg Haut
An der Alche 7
57072 Siegen

Tel. 0271 33587-11

haut[at]wgseg.de

 

Energieagentur Nordrhein-Westfalen
„50 Solarsiedlungen in NRW“

www.50-solarsiedlungen.de

 

Kenndaten Projekt Siegen

Jahr der Realisierung

2007

Art der Maßnahme

Energetische Gebäudesanierung, Installation von Solarthermie- und Photovoltaik-Anlagen

Technologie

Dämmung der Gebäudehülle und Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

zentrale Erdgas-Brennwertkessel mit Pufferspeichern, Servicestationen in jeder Wohnung mit Anzeige des individuellen Wasser- und Energieverbrauchs

Leistung

60 und 45 kW thermisch (Erdgas-Brennwertkessel)

66 kWp elektrisch (Photovoltaik-Anlage)

Größe der Solarthermie-Anlagen

97 m²

Größe der Photovoltaik-Anlagen

570 m²

Um- oder neugebaute
Wohn-/Nutzeinheiten

54 Wohneinheiten mit einer Gesamtfläche von 3.600 m2

Wärmebedarf vorher

250 kWh/m2

Wärmebedarf jetzt

39 kWh/m2

Investitionskosten

3,5 Mio. Euro

Förderung

KfW-Bankengruppe (CO2-Gebäudesanierungs-programm): 2,7 Mio. Euro, Teilerlass von 10 % der Schulden durch Unterschreiten der Energie-Einsparverordnung (EnEV)

Land NRW („50 Solarsiedlungen“): 144.000 Euro

Rest: Eigenmittel

jährliche Einsparungen

414.000 kWh Erdgas (entspricht ca. 30.000 Euro Wärmekosten für Erdgas)

vorher: 690.000 kWh Erdgas

jetzt: 276.000 kWh Erdgas

Einspeisung von 56.000 kWh Solarstrom

CO2-Vermeidung

320 t CO2/Jahr

Beteiligte

Wohnstättengenossenschaft Siegen eG