Turnow-Preilack

Das im August 2009 eingeweihte Solarkraftwerk „Lieberose“ produziert heute 35 Mal mehr Strom als die brandenburgische Kommune Turnow-Preilack mit ihren rund 1.230 Einwohnern verbraucht. Bei der Realisierung des Großprojekts auf einem ehemaligen Militärgelände spielte die Kommune eine Schlüsselrolle. „Die ganze Gemeinde steht hinter dem Projekt. Bürger und Gemeindeverwaltung haben sich regelmäßig getroffen, um das Vorhaben voranzutreiben und Hindernisse aus dem Weg zu räumen“, erinnert sich der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Turnow-Preilack, Helmut Fries. Innerhalb von nur 30 Monaten wurden die Aufstellung des Bebauungsplanes, die Beseitigung der zurückgelassenen Kampfmittel und der Aufbau der Anlage durchgeführt.

Das weltweit zweitgrößte Solarkraftwerk „Lieberose“ geht ans Netz

Zur offiziellen Einweihung am 20. August 2009 kamen der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Wolfgang Tiefensee, und der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck und setzten symbolisch das 560.000ste Modul ein. Bis Ende des Jahres sollen über 700.000 Module verbaut werden. Damit ist es das zweitgrößte Solarkraftwerk weltweit. „Der technologische Vorsprung ist ein Pfund, mit dem die ostdeutsche Solarbranche wuchern kann. Der Solarpark in Lieberose zeigt, was Solarunternehmen erreichen, wenn sie zusammenarbeiten“, sagte Bundesminister Tiefensee bei der feierlichen Einweihung des Solarparks vor mehr als 300 Gästen.

Ein Investitionsvolumen von mehr als 160 Millionen Euro haben die Unternehmen First Solar und die juwi-Gruppe zusammengebracht, um dieses Projekt realisieren zu können. First Solar liefert die Photovoltaikmodule – insgesamt rund 700.000 modernste Dünnschichtmodule. Sie werden überwiegend im Werk Frankfurt/Oder hergestellt. Die juwi-Gruppe aus Wörrstadt/Rheinland-Pfalz ist die Projektentwicklerin des Solarkraftwerks und übernimmt als Generalunternehmer Planung, Logistik, Bauleitung, Errichtung und Betrieb der Anlage.

Sauberer Solarstrom für ca. 15.000 Haushalte

Mit einer installierten Leistung von 52.790 Kilowatt-Peak produziert das Solarkraftwerk jährlich 52 Millionen Kilowattstunden Strom. Damit können etwa 15.000 Haushalte versorgt werden. Jährlich trägt dies zu einer Einsparung von 35.000 Tonnen Kohlendioxid bei.  Nach der geplanten Fertigstellung breitet sich die Freiflächenanlage auf 162 Hektar aus – einer Fläche von mehr als 210 Fußballfeldern.

Ehemaliger Truppenübungsplatz Lieberose: Gefahren für Mensch und Umwelt

Mit einer Fläche von 27.000 Hektar war der Truppenübungsplatz Lieberose der größte in der ehemaligen DDR. Die Sowjetarmee stationierte dort teilweise bis zu 50.000 Soldaten. Nach dem Abzug der Soldaten im Jahr 1992 ging der Truppenübungsplatz in den Besitz des Landes Brandenburg über. Die Altlasten aber sind geblieben: Neben Munition sorgen vor allem die Überreste chemischer Kampfstoffe für Gefahr. Sie verunreinigen den Boden und das Grundwasser. Und aufgrund der Gefahr durch explodierende Munition dürfen große Teile des Gebiets bis heute nicht betreten werden.

Dass heute – gut zweieinhalb Jahre nach Projektbeginn - auf der Lieberoser Heide ein Solarkraftwerk steht, bedeutet für die Gemeinde Turnow-Preilack nicht nur den Aufbruch in eine umwelt- und klimaschonende Energiezukunft, sondern auch die Befreiung von lebensbedrohenden Altlasten: „Für uns war es sehr wichtig, dass die Kampfmittel endlich geräumt wurden. Überall waren Fässer mit chemischen Kampfstoffen im Boden vergraben“, erklärt Fries.

Seit Januar 2008 haben Kampfmittelräumfirmen im Auftrag des Amtes für Forstwirtschaft Peitz auf der Lieberoser Heide eine Fläche von rund 400 Hektar von Munition und chemischen Altlasten befreit. Die notwendigen fünf Millionen Euro Kosten konnten durch eine Einmalzahlung und die Pacht für das Gelände des Solarkraftwerks der juwi-Gruppe und First Solar an das Land Brandenburg finanziert werden. Der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck betont, dass Lieberose ein ökologisches Vorzeigeprojekt für die Konversion von ehemaligen Militärflächen ist: „Solche Projekte helfen uns, die Wunden des Kalten Krieges zu heilen und gleichzeitig nachhaltig unsere ehrgeizigen Ziele im Bereich erneuerbare Energie zu erreichen“, erklärt Matthias Platzeck.

Stromgewinnung und Umweltschutz gehen Hand in Hand

Das Solarkraftwerk in Turnow-Preilack erzeugt nicht nur klima- und umweltschonenden Strom für 15.000 Haushalte, sondern ermöglichte auch, dass das Gelände von chemischen Altlasten und Munition befreit werden konnte. Boden, Grundwasser, Flora und Fauna werden nicht mehr beeinträchtigt. Begleitend zum Bebauungsplan werden seit 2007 auch mehrere Umweltgutachten durchgeführt, um die Auswirkungen des Solarparks auf die Vogelwelt zu klären. Durch Ausgleichsflächen entlang des Solarparks sollen Verdrängungseffekte geschützter Vogelarten wie z.B. dem Brachpieper, dem Wiedehopf und dem Ziegenmelker verhindert werden. Im Rahmen eines auf 10 Jahre angelegten Monitorings werden die bis jetzt wenig bekannten Auswirkungen von Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf Tiere und Pflanzen beobachtet und wissenschaftlich ausgewertet. Nach Ablauf der solaren Nutzung in 20 Jahren soll die Photovoltaik-Anlage wieder abgebaut werden. Die Heidefläche steht dann für die Belange des Naturschutzes zur Verfügung – frei von Kampfmitteln und chemischen Schadstoffen.

Stand: September 2009

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