Ulm

Transportschnecke im Holzgas-Heizkraftwerk Senden (Foto: Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH)

Die Stadt Ulm setzt sich seit vielen Jahren aktiv für eine regenerative Energieversorgung ein. Bereits seit 1991 betreibt die Kommune ein eigenes Förderprogramm, mit dem bis heute Ulmer Bürger bei der Nutzung Erneuerbarer Energien, aber auch beim Energiesparen und dem Bau von energieeffizienten Gebäuden unterstützt werden.  „Insgesamt sind seitdem mehr als 6,3 Millionen Euro vergeben worden. Jährlich fördern wir Projekte mit etwa 250.000 Euro“, erklärt Andrea Lippert aus der Abteilung „Strategische Planung“ der Stadt Ulm. Die jahrelange Förderung trägt etwa bei der Nutzung der Sonnenenergie sichtbare Früchte: Wie schon im vergangenen Jahr steht Ulm auch 2012 auf dem ersten Platz der Solarbundesliga unter den Städten mit über 100.000 Einwohnern. Beim Ausbau solarthermischer Anlagen, vor allem jedoch bei der installierten Leistung von über 260 Watt pro Einwohner liegt die Stadt hier vorne. „Die Solarförderung in Ulm ist ein voller Erfolg. Nicht zuletzt wurden dadurch neue Arbeitsplätze im Handwerk geschaffen“, berichtet Andrea Lippert.

Stadt fördert innovative Technologien
Die Förderrichtlinien wurden neu formuliert. „Unser Förderkonzept ist auf Jahrzehnte angelegt und soll dabei lernend sein. Wir wollen gezielt innovative Entwicklungen unterstützen. Im PV-Bereich wollen wir uns daher voll darauf konzentrieren, die gebäudeintegrierte Photovoltaik weiter auszubauen“, so Lippert. Darüber hinaus wird unter anderem der Bau von Netto-Nullenergiehäusern und die Installation so genannter LowEx-Fernwärmeanschlüsse gefördert. Die Technologie ermöglicht die effiziente Nutzung von Wärme aus dem Rücklauf ins Netz. Schließlich unterstützt das Programm auch die Anschaffung von Mini-Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen – in diesem Fall sogar zusätzlich zu bundesweiten Förderprogrammen, die man bei der Stadt als nicht ausreichend einschätzt.

Obwohl zwischen Ulm und dem benachbarten Neu-Ulm nicht nur die Donau, sondern auch die Ländergrenze von Baden-Württemberg und Bayern liegt, kooperieren beide Kommunen bei der Nutzung Erneuerbarer Energien. „Eine gemeinsame Planung ist nicht immer ganz einfach, weil etwa in beiden Bundesländern teilweise unterschiedliche Gesetzeslagen gelten“, berichtet Andrea Lippert. „Aber Energiethemen machen keinen Halt vor Grenzen oder Flüssen. Es finden sich jede Menge Projekte, an denen wir zusammen arbeiten können“ - wie die Solarfähre, die beide Städte verbindet. Ein wichtiger Partner bei der Verknüpfung von Klimaschutzaktivitäten auf beiden Seiten der Donau sind die gemeinsamen Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH (SWU). „Die GmbH ist 1982 gegründet worden. Bereits ein Jahr später ist dann Neu-Ulm als Gesellschafterin beigetreten. Durch die Zusammenarbeit über 30 Jahre hinweg sind die SWU eine ganz starke Klammer für gemeinsame Vorhaben“, erklärt der Pressesprecher der SWU, Bernd Jünke.

Holzgas-Heizkraftwerk
„Die Initiative für neue Projekte in Ulm kommt je nach Vorhaben von verschiedenen Akteuren aus Politik und Bevölkerung. Vor allem beim Bau regenerativer Kraftwerke sind die SWU aber meist die treibende Kraft. Bürgermeister und Gemeinderat vertrauen hier voll auf das Wissen und die Kompetenz der SWU“, beschreibt Jünke die zentrale Rolle der Stadtwerke beim Ausbau der Erneuerbaren. Zur regenerativen Erzeugung von Strom und Wärme betreiben die SWU mehrere Wasserkraftwerke und Photovoltaikanlagen. Als „SWU-Umweltpartner“ sind die Stromkunden der Stadtwerke direkt an der Finanzierung der PV-Großanlage in Neu-Ulm beteiligt und erzielen damit eine Rendite von fünf bis sechs Prozent im Jahr. Hinzu kommen Blockheizkraftwerke und Holzverbrennungsanlagen. Das neueste Kraftwerk des Unternehmens ist in Deutschland bisher einmalig: In Senden, einer Nachbarstadt von Neu-Ulm, geht in diesem Sommer das bundesweit erste kommerziell betriebene Holzgas-Heizkraftwerk in Betrieb. Holzreste aus regionaler Forst- und Landwirtschaft sowie Schwemmholz aus den Wasserkraftwerken der SWU werden darin nicht direkt verbrannt, sondern zunächst bei ungefähr 900 Grad Celsius verschwelt. Das wird möglich, indem in den verwendeten, 20 Meter hohen Stahlbehälter nur wenig Sauerstoff gelassen wird. Erst das entstandene Gasgemisch aus Wasserstoff, Methan und Kohlenmonoxid wird schließlich verbrannt und treibt so zwei Motoren an, die Strom und Wärme produzieren. Auch der Reststoff Holzkoks liefert wiederum neue Energie für die Verschwelung.

Dieses innovative Verfahren nutzt 80 Prozent der im Holz verfügbaren Energie. Dafür wird auch die Abwärme der Anlage gesammelt und erneut zur Energieerzeugung eingesetzt. Über ein Fernwärmenetz werden Haushalte in Senden aus dem Kraftwerk, dessen Bau vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert wurde, mit Wärme versorgt. Durch eine Verbindungsleitung nach Neu-Ulm stützt das neue Heizkraftwerk auch das dortige Wärmenetz. Pro Jahr werden etwa 36 Millionen Kilowattstunden Strom und 41 Millionen Kilowattstunden Wärme erzeugt. Damit können 10.000 Haushalte versorgt werden. Außerdem entstehen 40.000 Tonnen CO2 weniger als bei einer vergleichbaren Nutzung von Erdgas. Für die kommenden Jahre haben sich die SWU zwei Zielmarken gesetzt: „Bis 2020 wollen wir alle Haushaltskunden mit Strom aus Erneuerbaren Energien versorgen und bis 2025 den Bedarf der Region komplett selbst decken, durch Stromerzeugung in eigenen Kraftwerken und über Beteiligungen an Kraftwerksgesellschaften. So bekennen wir uns deutlich zum Ausbau der regenerativen Energieerzeugung und stehen zudem in unseren Planungen auf eigenen Füßen. Dieses Ziel verfolgen wir kontinuierlich bereits seit zehn Jahren“, beschreibt Bernd Jünke die Strategie der Stadtwerke.

Wissenschaft forscht vor Ort zu Erneuerbaren
Auch als Wissenschaftsstandort beschäftigt sich Ulm intensiv mit Erneuerbaren Energien. An der Universität und der Hochschule Ulm wird zu den Themen nachhaltige Energieerzeugung, Energiespeicherung und Elektromobilität gelehrt und geforscht – unter anderem durch eine eigens eingerichtete Professur für Nachhaltigkeit. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoffforschung (ZSW) und dem kürzlich gegründeten Helmholtz-Institut Ulm für Elektrochemische Energiespeicherung (HIU). Zudem wurde die Donauhochschule Ulm gegründet, um die Kooperation der Universitäten aus der Region bei der Erforschung regenerativer Energiesysteme zu erleichtern. Die Stadt übernimmt angesichts der Vielzahl an Projekten und Akteuren in Ulm die Aufgabe, die Aktivitäten zu koordinieren und zu lenken. Den Ansatz der Stadt kann man dabei als Politik der kontinuierlichen, praxisorientierten Schritte beschreiben. „Wir fokussieren uns auf konkret umsetzbare Projekte vor Ort, ohne allerdings das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Das stärkt die Akzeptanz bei den Bürgern“, meint Andrea Lippert. „Auch in einer 'kleinen' Großstadt müssen die vielfältigen Aktivitäten gebündelt und koordiniert werden, damit eine gemeinsame Richtung verfolgt werden kann. In Ulm besteht eine große Bereitschaft bei Bürgern und Unternehmen, für eine regenerative Energieversorgung aktiv zu werden. Die konkreten Projekte müssen dann aber mit viel Energie angeschoben und kompetent begleitet werden.“ 

Stand: Juni 2012

Bildergalerie

 

Fotos: Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH/ Agentur für Erneuerbare Energien

Kontakt

Stadt Ulm
Andrea Lippert
Abteilung Strategische Planung
Tel.: 0731 161 6116
Mail: a.lippert@ulm.de
Web: www.ulm.de


Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH
Bernd Jünke
Pressestelle
Tel.: 0731 166 1090
Mail: bernd.juenke@swu.de
Web: www.swu.de

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