Mit vereinten Kräften

Interkommunale Zusammenarbeit gewinnt für immer mehr Kommunen an Bedeutung. Vielen bietet erst sie die Möglichkeit, die Energieversorgung in die eigene Hand zu nehmen. Eine erfolgreiche Kommunalpartnerschaft bindet zudem meist noch andere Akteure wie Bürger, Verbände oder Wirtschaftsunternehmen ein. In der Gemeinschaft lassen sich Projekte leichter realisieren. Gerade bei Windparks, größeren Biogasanlagen oder Geothermie-Bohrungen können hohe Anfangsinvestitionen anfallen, die von einer Kommune allein – nicht zuletzt aufgrund von Sparzwängen – in vielen Fällen kaum zu tragen sind. Damit die Wertschöpfung innerhalb der Kommune bleibt, ist es jedoch wichtig, den Eigenbeitrag bei Investitionen möglichst hoch zu halten. Darüber hinaus wird bei einer Partnerschaft das wirtschaftliche Risiko auf mehrere Schultern verteilt. Kooperationen zwischen zwei oder mehr Kommunen empfehlen sich im Bereich Erneuerbare Energien für vielfältige Handlungsfelder. Das fängt an bei einfachen Vereinbarungen zum Einkauf von Energiedienstleistungen wie Energie-Contracting, geht über gemeinsam realisierte und finanzierte Projekte bis hin zum Aufkauf der Strom- und Wärmenetze. Letzteres bietet dann etwa die Möglichkeit, eine regionale Energiegesellschaft mit vielfältigen Produkt-, Dienstleistungs- und Versorgungsangeboten zu gründen.

Deutschlands erstes interkommunales Geothermieprojekt

Mit vereintem Wissen und gemeinsamen finanziellen Mitteln haben die drei bayerischen Gemeinden Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim Deutschlands erstes interkommunales Geothermieprojekt realisiert. Die Investitionskosten von circa 60 Millionen Euro konnten bei der Umsetzung des Projekts nur deshalb aufgebracht werden, weil die beteiligten Kommunen sie gemeinsam tragen. Das Aufteilen der Kosten gewährt den Partnerkommunen auch eine gewisse Sicherheit. Die Anlage liefert genug Wärme, dass in den nächsten Jahren rund 80 Prozent der insgesamt 26.000 Einwohner aller drei Gemeinden mit geothermischer Wärme versorgt werden können. Mehr Informationen finden Sie hier.

Landstrom für die Städte
Neben kommunalen Kooperationen entstehen immer öfter auch Stadt-Land-Partnerschaften, bei denen kleine Gemeinden zum Energielieferanten von Ballungsräumen werden. Die meisten mittelgroßen Städte und Großstädte können auf absehbare Zeit ihren Energiebedarf nicht vollständig mit Erneuerbaren Energien decken. Sie besitzen allerdings oftmals mit eigenen Stadtwerken das nötige Know-how sowie ausreichend finanzielle Mittel für die Umsetzung Erneuerbarer-Energien-Projekte. Ländliche Gemeinden verfügen meist über viel Fläche, allerdings manchmal nicht über die nötigen personellen und finanziellen Ressourcen und auch nicht über ausreichend viele Energieabnehmer. Von einer Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land können beide Seiten profitieren. Ein großer Vorteil ist dabei, dass die Wertschöpfung in der Region verbleibt. Daher sollte nicht die Autarkie, also die eigene Versorgung mit Energie in den ländlichen Kommunen, verfolgt werden, sondern vielmehr eine starke regionale Autonomie, bei der sich Städte und Gemeinden als regionale Gemeinschaft verstehen.

Eine Kooperation bedeutet in der Praxis, dass jeder Beteiligte handlungs- und wettbewerbsfähiger wird. Von einem Wissens- und Erfahrungsaustausch können alle Partner profitieren. Zudem wird der Expertenkreis größer, wenn personelle Kompetenzen gebündelt werden. Gerade bei Stadt-Land-Kooperationen ergeben sich dank unterschiedlichen Sachverstands und spezifischer Stärken meist weitreichende Synergieeffekte. Städte und Gemeinden können sich in ihrer Arbeit wechselseitig ergänzen. So ergeben sich für die beteiligten Kommunen vielfältige Möglichkeiten, die sich im Alleingang meist nicht auftun würden. Und auch der oftmals befürchteten Einschränkung der eigenen Handlungskompetenz kann durch klare Absprachen und die eindeutige Zuweisung von Handlungsfeldern entgegengewirkt werden. Neben wirtschaftlichen Vorteilen und dem Beitrag zum Klimaschutz kann die Zusammenarbeit mehrerer Kommunen zudem die regionale Identität stärken.

Strom-und Wärmebedarf zu 100% aus Erneuebaren Energien decken

Stadt und Landkreis Bamberg haben sich das Ziel gesetzt, ihren Energiebedarf im Strom- und Wärmesektor bis 2035 zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien zu decken. Eine Potenzial-Analyse aller Kommunen im Landkreis hat ergeben, dass Bambergs Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Hier können die Gemeinden des Landkreises einspringen, deren Energiepotenzial den eigenen Verbrauch um ein Vielfaches übersteigt. Das Kooperationsmodell Bamberg – Energie fließt in die Stadt und Geld fließt in den Landkreis – ist Vorbild für viele Regionen in Deutschland. Mehr Informationen finden Sie hier.

Interkommunale Energiegenossenschaft

Foto: Neue Energien West eG

Im Jahr 2008 legten die Städte Gräfenwöhr, Eschenbach und Pressath den Grundstein für die gemeinsame kommunale (Strom-)Versorgung aus Erneuerbaren Energien. Dem Städtedreieck war es von Anfang an wichtig, möglichst viele Bürger und Kommunen einzubinden und diese an der Versorgung durch Erneuerbare Energie zu beteiligen. Um die verschiedenen Akteure erfolgreich unter einem Dach zu vereinen, gründeten die drei Städte die Energiegenossenschaft „Neue Energien West eG“. Die junge Genossenschaft zeigt, wie Kommunen interkommunal gemeinsam mit ihren Bürgern erfolgreich Erneuerbare Energien ausbauen und nutzen können. Mehr Informationen finden Sie hier

Interkommunale Kooperationen
  • möglichst auf vorhandene Kooperationen aufbauen
  • ausreichend Zeit für den Verständigungsprozess einplanen (unterschiedliche Erfahrungshintergründe)
  • Status-Quo-Analyse der gemeinsamen Potenziale erstellen (insbesondere finanzielle Spielräume)
  • Zielvorstellungen und Organisationsstrukturen abgleichen, daraus Konsens bilden
  • passende Technologien/Tätigkeitsfelder identifizieren, die allen Beteiligten Vorteile bieten
  • Vor- und Nachteile gerecht verteilen
  • gemeinsame Ziele definieren und festlegen
  • geeignete Organisationsform finden (privat-rechtlich, öffentlich-rechtlich)
  • Bevölkerung informieren und gegebenenfalls einbinden

Interkommunale Energiegenossenschaft

Flash ist Pflicht! Die Animation zeigt den Aufbau einer Dachgenossenschaft und die Chancen der interkommunalen Zusammenarbeit.