Speichertechnik nicht länger als Stiefkind behandeln

Als sich der Abzug der Bundeswehr aus Saerbeck abzeichnete, hat die Gemeinde nicht lange gezögert und das 90 Hektar große Gelände des Munitionsdepots gekauft. Zugleich beschäftigten sich Politik und Verwaltung mit Ansätzen, lokal für den Klimaschutz aktiv zu werden. Das frühzeitig formulierte Ziel: Bilanzielle Energieautarkie bis 2030, Umstellung auf Erneuerbare Energien. Das Konzept für den Bioenergiepark (BEP) wurde entwickelt.

Die Motivation war dabei u.a. die Planungssicherheit. Die Gemeinde Saerbeck wollte das Heft des Handelns in der Hand behalten und Chancen nutzen. Die Entwicklung durch externe Investoren wurde ausgeschlossen, sollte doch die regionale Wertschöpfung gestärkt werden. Beispielhaft: Die Genossenschaft „Energie für Saerbeck“, bei der sich über 400 Mitglieder engagieren. Sie hat den Bau der sechs Megawatt Photovoltaik-Park im BEP finanziert und besitzt dort eine von sieben Windkraftanlagen. Auch die Biogasanlage steht für regionale Wertschöpfung und Stoffkreisläufe. Nicht zuletzt der Bürgersinn und die Identifikation der Bürger mit „ihrer“ Gemeinde war ein starker Anschub für die Klimaschutzprojekte.

Die Versorgungssicherheit war ein weiterer Ansporn. Angestoßen durch die Anforderungen von Firmen nach einer sicheren Stromversorgung, ist die Gemeinde aktiv geworden und hat schließlich 2012 mit den Stadtwerken Lengerich das Stromnetz übernommen. Modellvorhaben in der Speichertechnik, vorgesehen ab 2014, sollen es ermöglichen, dass der Strom aus dem BEP direkt in Saerbeck verbraucht wird. Dann wäre die Energieautarkie auch faktisch gegeben.

Im Mittelpunkt des politischen Streits steht in der Regel die Vergütung des Stroms aus Sonne, Wind und Biomasse und damit der Strompreis.  Die andere Seite dieser Medaille ist die Planungssicherheit für diejenigen, die sich im Bereich klimaneutraler Energien engagieren und mit Investitionen den Klimaschutz voranbringen. Langfristig angelegte Projekte brauchen verlässliche  Rahmenbedingungen, um wirtschaftlich vernünftig umgesetzt zu werden, das gilt besonders im Bereich der Erneuerbaren Energien.

Insofern beobachten die Klimakommune Saerbeck und ihre Partner das energiepolitische Geschehen genau. Sie mussten schon gelegentlich schnell handeln, wenn es die politischen Rahmenbedingungen erforderten. So etwa im vergangenen Jahr, als die Reduzierung der Einspeisevergütung für Solarstrom auf den Weg gebracht wurde und in Saerbeck der sechs Megawatt Photovoltaik-Park gebaut wurde. Dank politischer Arbeit konnte eine Ausnahmeregelung in der Gesetzgebung erreicht werden.

Zugleich geht man aber auch mit politischen Forderungen nach vorne, etwa beim Thema der Speicherung der vor Ort erzeugten Energie. Auch hier wird es für die Planungssicherheit  entscheidend sein, dass die Politik den richtigen Rahmen setzt.  Alle Betreiber dezentraler Stromnetze sollten dabei mitwirken, dass der Bundesgesetzgeber den gesetzlichen Vorrang für eine zentrale Energieproduktion aufgibt. Vielmehr muss es darum gehen, den lokalen Produzenten mit lokaler Vermarktung regenerativer Energien die gleichen Rahmenbedingungen zu verschaffen, wie sie für den  Ausbau von Überlandtransportleitungen erforderlich sind. Die Speichertechnik dürfe nicht länger als Stiefkind behandelt werden. Diese Position machte Roos etwa beim Besuch von Bundesumweltminister Peter Altmaier im Mai 2013 deutlich.

Die Investitionen im Bioenergiepark Saerbeck und ihre Einbindung in die regionale Wertschöpfung sind ein wichtiges Fundament der Projekte. Insofern ist das Einbeziehen der Bürger ein wichtiges und unverzichtbares Ziel der lokalen Politik. Anders als in der Nachbarschaft gab es für die Windkraftanlagen eben keinen Gegenwind, sondern im Gegenteil Zustimmung, die sich auch finanziell bemerkbar machte, nämlich in der Beteiligung an der Bürgergenossenschaft. Denkbar ist auch eine Teilhabe der Bürger an einem Speicherprojekt.

Autor: Wilfried Roos

ist seit  1999 Bürgermeister im westfälischen Saerbeck.  Der parteilose Diplom-Verwaltungswirt wurde bei der Kommunalwahl am 30. August 2009 mit 86 Prozent der Stimmen ohne Gegen- kandidat wiedergewählt