Smart Toyota- Kommunaler Klimaschutz in Japan

Städte und Gemeinden sind auch im Ausland entscheidende Akteure, um Klimaschutzprojekte in die Tat umzusetzen. Die japanische Stadt Toyota City hat ein ganzes Wohnviertel errichtet, um ein modernes Leben mit Erneuerbarer Energien zu erproben.

Wie kann eine moderne Gesellschaft klimafreundlich und wirtschaftlich leistungsfähig sein, ohne dabei auf Lebensqualität zu verzichten? Auch in Japan beschäftigt man sich seit Längerem mit dieser Frage. Nach dem Erdbeben, dem Tsunami und der Reaktorkatastrophe in Fukushima im März 2011 ist sie noch stärker in den Vordergrund gerückt.

Smart Cities
Die mitteljapanische Stadt Toyota City ist eine von vier „Smart Cities“ in Japan, in denen Verfahren und Technologien für ein nachhaltiges Energieversorgungssystem der Zukunft großflächig und praktisch erprobt werden. Um ihren Kohlendioxydausstoß bis 2050 um 50 Prozent zu reduzieren, kooperiert die 420.000 Einwohner starke Stadt mit fast 50 Unternehmen, Hochschulen und Organisationen, die zahlreiche Projekte im Stadtgebiet umsetzen. Dazu gehört die verstärkte Nutzung Erneuerbarer Energien in öffentlichen und kommerziellen Räumen, die Einrichtung eines Smart Grids, sowie Verkehrskonzepte mit Elektrobussen, E-Carsharing und intelligenten Verkehrsleitsystemen.

Smart Home
All diese Innovationen entstehen jedoch nicht allein als Idee auf dem Reißbrett, sondern werden direkt in der alltäglichen Praxis erprobt. So hat Toyota City auch zwei Siedlungen im Stadtgebiet errichtet, deren Häuser als sogenannte Smart Homes konzipiert sind. Indem Sie das Potenzial der hauseigenen Photovoltaikanlage bestmöglich ausnutzen, soll ihr Kohlendioxydausstoß um über 70 Prozent reduziert werden – inklusive Mobilität. Die technische Ausstattung dafür wird den Bewohnern der insgesamt 67 Einfamilienhäuser kostenlos zur Verfügung gestellt: eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, ein Batteriespeicher, eine Wärmepumpe zur Warmwasseraufbereitung sowie einige Hausgeräte. Zusätzlich erhalten sie ein Hybridauto des ortsansässigen Automobilkonzerns, dessen Batterie an der mitgelieferten Ladesäule aufgeladen wird und bei Bedarf auch als Speicher dient. Diese Komponenten sind mit einer zentralen Steuerung verbunden, auf der Strombezug aus dem Netz, die Eigenproduktion sowie Speicherung und Verbrauch im Haus auf einen Blick erfasst werden können. Da die Energiebilanz des Haushaltes permanent sichtbar ist, soll spielerisch ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, den Strom möglichst dann zu nutzen oder zu speichern, wenn viel davon produziert wird. Erste Auswertungen nach zwei Jahren zeigen, dass das 70-Prozent-Ziel schon heute bei guten Bedingungen erreicht wird.

Lokale Erzeugung, Lokaler Verbrauch
Ein zusätzlicher Anreiz für die Bewohner, das Prinzip „Lokale Erzeugung – lokaler Verbrauch“ umzusetzen, wird durch ein Punktesystem erprobt. Wer sein Stromverbrauch besonders erfolgreich an das aktuelle Angebot an Erneuerbarem Strom anpasst, wird mit „Eco-Points“ belohnt. Diese Punkte sind geldwert und sind im örtlichen Einzelhandel als Zahlungsmittel akzeptiert. Dafür arbeitet die Stadt mit den lokalen Gewerbe- und Handelsvereinen zusammen. Auf diese Weise, so der Ansatz von Toyota City, wird kommunaler Klimaschutz nicht nur als ein technisches, sondern als gesellschaftliches Projekt umgesetzt.

Bürgermeister Toshihiko Ohta

Toyota City
  • Präfektur: Aichi
  • Einwohner: 420.000
  • Fläche: 920 KM²
  • Technologien: Solar, Biomasse
  • Toyota City ist eine von vier "Smart Cities" in Japan, in denen zukünftige Energieversorgungs- systeme in der Praxis erprobt werden
  • Die Stadt kooperiert mit fast 50 Unternehmen, Hochschulen und Organisationen, um ihren CO2-Aussoß bis 2050 um 50 Prozent zu reduzieren
  • Seit 2011 werden zwei Wohnviertel mit "Smart Homes" erprobt, in denen Photovoltaikanlagen, Speicher und Hybridautos intelligent miteinander vernetzt sind