Special Geothermie
Zu Konflikten kann es insbesondere mit verhältnismäßig neuen Techniken, d.h. vor allem der Tiefengeothermie kommen. Um eine Gemeinde mit Strom und Wärme aus der Tiefe (mehr als 400 Meter, üblicherweise bis zu drei Kilometer) zu versorgen, sind entsprechende Bohrungen und Leitungen erforderlich. Soweit nicht vorhanden, muss ein Fernwärmenetz gebaut werden. Umfangreiche Baumaßnahmen, besonders im Straßenbereich, sind die Folge. Lärmbelästigungen im Zusammenhang mit den Bohrungen und den Baumaßnahmen können allerdings durch technische Maßnahmen minimiert werden. Natürlich sind die dadurch entstehenden Beeinträchtigungen nicht grundlegend anders als bei anderen Bauvorhaben, dennoch können sie vor Ort für Zündstoff sorgen. Über Beeinträchtigungen sollte daher bereits im Planungsprozess informiert werden.
Neue Technik schafft Verunsicherung
Nach kleinen Beben in Basel, für die ein in der Nähe befindliches Geothermieprojekt verantwortlich gemacht wurde, gab es einige Verunsicherung in der Bevölkerung. Zwar sind sich die Experten noch nicht einig, ob und in wieweit die Geothermiebohrungen dafür verantwortlich waren, aber die Vermutung reichte aus. Inzwischen hat sich die Aufregung allerdings wieder gelegt.
Akzeptanzprobleme gibt es ansonsten nur dort, wo die Bevölkerung überhaupt nicht in die Projektplanung einbezogen oder eine schlechte Informationspolitik betrieben wird. Grundsätzlich sollte daher bereits im Planungsstadium offensiv über die eingesetzte Bohrtechnik, den Untergrund und eventuell damit verbundene Risiken informiert werden. Alle Vorbehalte müssen ernst genommen und verständlich beantwortet werden. Das ist besonders wichtig bei einer noch weitgehend unbekannten Technik.
Erfolgreiche Praxis
Positive Beispiele hinsichtlich der intensiven Einbeziehung der Bevölkerung befinden sich zum Beispiel in Pullach, Unterschleißheim, den drei Kommunen Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim sowie in Unterhaching.
Die Gemeinde Pullach z.B. hat viele Anlässe gefunden, auf dem Projektgelände zu feiern, hat in Publikationen detailliert über jeden Projektschritt informiert, Besichtigungen organisiert, ein Wir-Gefühl erzeugt.
In Unterhaching hat der Bürgermeister die Chancen für eine unabhängige, umweltfreundliche und kostengünstige Energieversorgung erkannt und die Initiative ergriffen. Der Erfolg gibt ihm Recht: Das Projekt wird vor Ort so begrüßt, dass die Nachfrage nach der produzierten Wärme das Angebot sogar übersteigt.
Vielfach ist es sogar so, dass die Bevölkerung die Kommune z.B. in Richtung eines geothermischen Fernwärmenetzes drängt.
Mehr Praxisbeispiele.







