Arzfeld

Arzfeld in Rheinland-Pfalz sichert schon jetzt die eigene Vollversorgung mit regenerativem Strom. Die Verbandsgemeinde liefert damit einen entscheidenden Beitrag für den Klimaschutz und die Versorgungssicherheit auch für zukünftige Generationen. Für die Kommune ergeben sich aber auch wirtschaftliche Vorteile. „Die bestehenden Anlagen bringen Steuereinnahmen und Arbeitsplätze“, erläutert Andreas Kruppert. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde sieht auch viele Vorteile für regionale Handwerksbetriebe: „Die Anlagen müssen installiert und gewartet werden. Ein Job, den unsere Handwerker gerne übernehmen.“ Und so können die Strom erzeugenden Anlagen schon dreimal mehr leisten, als die Verbandsgemeinde verbraucht.

Handlungsmöglichkeiten der Kommune
„Für uns als Kommune ist es wichtig, den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu unterstützen“, findet Bürgermeister Kruppert. Dafür eignet sich eine engagierte Zusammenarbeit mit den Projektierern. Hier kann die Kommune durch Beratung und vorausschauende Entscheidungen die Genehmigungsverfahren beschleunigen. Dadurch konnten in der Verbandsgemeinde Arzfeld nahezu alle ausgewiesenen Flächen, die sich für Windenergieanlagen eignen auch bebaut werden. Insgesamt stehen bereits achtundzwanzig Windräder und zwei weitere sind in Planung. Neben der Windenergie besteht gerade im Bereich der Photovoltaik ein weiteres wichtiges Standbein der Stromversorgung. Viele kommunale Dächer sind bereits mit Anlagen ausgerüstet. Die Kommune liefert damit auch ein erstes Beispiel für das folgende bürgerliche Engagement. „In einer Verbandsgemeinde kommen die Interessen der einzelnen Ortsgemeinden zusammen. Hier ist es wichtig, dass man gemeinsame Ziele formuliert und die Ortsgemeinden den Gewinn ihrer eigenen Anlagen behalten“, erklärt Kruppert die spezifische Situation in Arzfeld.

Anstalten des öffentlichen Rechts als kommunale Projektierer
Um diese öffentliche Vorbildfunktion noch auszuweiten, haben die Orte der Verbandsgemeinde gemeinsam die Islek Energie AöR gegründet. Diese ermöglicht es der Kommune auch wirtschaftlich tätig zu werden und so Projekte direkt zu verwirklichen. Das neueste Projekt der Islek Energie AöR ist ein Solarpark mit einer Leistung von 1,5 Megawatt, der am 14. Oktober 2011 eingeweiht wurde. „Wir wollten die Freiflächenanlage zunächst als Stiftung umsetzen, aber es gab Bedenken auf Seiten der Kommunalaufsicht“, erinnert sich Kruppert. „Eine Anstalt des öffentlichen Rechts bietet da jedoch die Möglichkeit Projekte als Kommune selbsttätig umzusetzen und Sachmittel zu binden. Die beteiligten Ortsgemeinden sind gleichzeitig im Verwaltungsrat der AöR vertreten und haben so Mitspracherecht.“ Aber nicht nur die Vertreter der Bürger sollen für die Erneuerbaren gewonnen werden. Die Kommune möchte demnächst auch eine Bürgergenossenschaft etablieren. Außerdem informiert die Energieagentur Trier jeden Monat kostenlos über Gebäudesanierung und regenerative Heizmodelle.

Biogasspeicher und Nahwärmenetze
Auf dem Weg zur Umstellung der Wärmeversorgung hat Arzfeld bereits einige Schritte gemacht. Die Hauptakteure sind hier insbesondere die Landwirte. Mit ihren Biogasanlagen versorgen sie öffentliche Einrichtungen und Privathäuser über kleine Nahwärmenetze. Daneben dienen Heizungen auf Basis regenerativer Brennstoffe, wie etwa die Hackschnitzelheizung der Grundschule Daleiden als weitere Bausteine des Klimaschutzes. In einem Pilotprojekt wird in Üttfeld, auf dem Hof von Landwirt Heinrich Hoffmann, Biogas gespeichert, um fehlende Strommengen auszugleichen, falls mal nicht genug Wind weht und die Sonne nicht scheint. Die anfallende Abwärme kann durch die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung genutzt und in örtliche Nahwärmenetze eingespeist werden.

Stand: Oktober 2011