Zusammenfassung der Veranstaltung

Am 1. Juni 2017 lud die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) mit den Kooperationspartnern Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt GmbH (LENA GmbH), dem Landesverband Erneuerbare Energie Sachsen-Anhalt (LEE-LSA) und mit freundlicher Unterstützung der ENERCON GmbH in das Bauhaus Dessau ein, um Bürgerenergiepotenziale bei der Windenergie in Sachsen-Anhalt zu diskutieren. 80 VertreterInnen aus Kommunen, Unternehmen und Politik trafen auf Energiegenossenschaften, um die Zukunftsfähigkeit von Bürgerwindprojekten in Sachsen-Anhalt gemeinsam zu bewerten.

Volker Ziem, Geschäftsführer der Rothenseer Rotorblattfertigung GmbH, machte auf gegebene Planungsunsicherheiten für die Hersteller bei Windenergieprojekten in Sachsen-Anhalt aufmerksam. Das Land müsse dringend Themen wie Repowering voranbringen und vor allem gilt es, Artenschutz und Windenergie verstärkt in einen Einklang zu bringen.  

Anschließend hielt Ministerin Prof. Dr. Dalbert eine Keynote, in der sie betonte, dass die Windenergie der Treiber der Energiewende ist. Das Land bekennt sich deutlich zum weiteren Ausbau der Windenergie, da diese einen wichtigen Wirtschaftsfaktor für das Land darstellt. Zudem rückt die Einhaltung der Klimaziele ohne einen verstärkten  Ausbau in weite Ferne. Die Ministerin erklärte, dass die Akzeptanz für den Umbau der Energieversorgung nur mithilfe von Bürgerbeteiligung erreicht werden kann. Hier sieht sie noch großen Handlungsbedarf, da die bisherige Anzahl an Bürgerwindprojekten in Sachsen-Anhalt zu gering sei.

Dr. Hartmut Kahl von der Stiftung Umweltenergierecht gab einen Einblick in die Auswirkungen des EEGs 2017 auf die Windbranche. In diesem Zusammenhang sprach er von einem Paradigmenwechsel, der den direkten Wettbewerb der Investoren mit sich bringt. Die Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunde, bei der fast alle Zuschläge an die Bürgerenergie gegangen sind, überraschten ihn. Er erläuterte, welche Veränderungen im Rechtsrahmen das Erreichen von energiepolitischen Zielen ermöglicht. Hier sieht er unter anderem bei der Miteinbeziehung von Kommunen ein großes Potenzial.

Volker Will berichtete von erfolgreichen Bürgerwindprojekten aus anderen Bundesländern. Hierbei wurde deutlich, dass kein Windprojekt dem anderen gleicht. Es gibt ausreichend finanzielle Grundlagen in den ostdeutschen Ländern, oft werden jedoch Themen wie Öffentlichkeitsarbeit bei der Umsetzung von Projekten unterschätzt, sodass häufig Akzeptanzprobleme entstehen.

Nach einer kurzen Pause führte Jan Stoye durch eine Präsentation über die Arbeit der Energiegenossenschaft Neue Energien Ostsachsen eG. Um Windenergieprojekte in der Region erfolgreich umsetzen zu können, muss den Bürgern eine Beteiligung ermöglicht werden. Daher sucht die eGNEOS verstärkt die direkte Kommunikation zu den Bürgern und setzt auf Öffentlichkeitsarbeit. Mithilfe dieser Vorgehensweise konnte das erste Genossenschaftswindrad in Sachsen realisiert werden.

Während der Diskussion "Chancen und Herausforderungen für Bürgerenergie bei der Realisierung von Windenergieprojekten" betonte Dr. Heiko Rüppel, dass die ENERCON GmbH nicht nur als Windanlagenhersteller auftritt, sondern verstärkt auf systemisches Denken setzt. So unterstützt ENERCON das Thema Sektorenkopplung, wie unter anderem bei Schnellladesäulen für Elektroautos. Dr. Heiko Rüppel forderte eine kritische Betrachtung der 2,8 GW-Deckelung, eine Ausweitung ist hier dringend notwendig. Jan Stoye von der eGNEOS verdeutlichte, dass Energiegenossenschaften sich bei der Umsetzung von Projekten nicht von Förderanträgen abhängig machen dürfen. Wichtig sei, dass die Energiegenossenschaften sich alle Handlungsmöglichkeiten offen halten, um flexibel agieren zu können. Energiegenossenschaften sind direkte Ansprechpartner für BürgerInnen vor Ort, wodurch die Akzeptanz immens gesteigert werden kann. Marko Mühlstein, Geschäftsführer der Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt GmbH, sprach von der Notwendigkeit, neben den Erneuerbaren Energien stets auch Energieeffizienz und Energiesuffizienz mitzudenken. In diesem Zusammenhang sprach er von Potenzialen bei der Bürgerbeteiligung im Energiespar-Contracting. Darüber verdeutlichte er, dass ein Landesnetzwerk Bürgerenergie fehlt, welches die Kommunikation aller Akteure untereinander vereinfacht. Volker Will von der Deutschen Kreditbank AG warnte davor, das Thema Akzeptanz bei Windenergieprojekten zu vernachlässigen: Die beste Bürgerbeteiligung kann an Bürgerinitiativen, die gegen die Windenergie wettern, scheitern.

Nach einem Mittagsmarkt mit Expertentischen, an denen die Themen Akzeptanz, Finanzierung, Recht, Sektorenkopplung und Bürgerbeteiligung diskutiert wurden, führte Heinrich Bartelt von der Windpark Druiberg GmbH & Co. KG in das Thema Sektorenkopplung ein. Er sieht Deutschland in der Pflicht, das Thema Sektorenkopplung verstärkt voranzutreiben, da es bereits viele große internationale Wettbewerber gibt. Eine faire CO2 Bepreisung kann gute gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen. Der Verbund von verschiedenen Technologien wird nicht nur dringend benötigt, sondern ist auch technisch mithilfe der bereits vorhandenen Flexibilitätsmöglichkeiten realistisch.

Ramona Notroff von der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur stellte das Siegel Faire Windenergie Thüringen vor, welches bisher 46 Mal vergeben wurde. Hierbei betonte sie, dass ein Siegel alleine nicht ausreicht, sondern insbesondere die Beratung von Projektierungsunternehmen und Bürgern gefördert werden muss.

Thies Shröder von der Energieavantgarde Anhalt e.V. berichtete, dass die Akzeptanz bei Windenergieprojekten in der Region abgenommen hat. Es stellen sich häufig zu viele Fragen in Bezug auf die Finanzierung oder den rechtlichen Hintergrund. Daher ist die Frage der Teilhabe besonders wichtig. Die Energieavantgarde Anhalt setzt auf die Mediation zwischen den verschiedenen Akteuren, denn nur unter Miteinbeziehung aller Akteure sind fehlerarme Fortschritte in der Energiewende zu realisieren.

Nach einem abschließenden Schlusswort bot eine Führung im Umweltbundesamt, welches als Modellvorhaben für nachhaltiges Bauen mit hohem energetisch-ökologischem Standard realisiert wurde, den Abschluss der Veranstaltung. Die TeilnehmerInnen konnten das kompakte Gebäude, in dem eine Photovoltaik Anlage, Solarkollektoren zur Kühlung und ein Erdwärmetauscher für einen nachhaltigen Betrieb sorgen, aus technischer Perspektive kennenlernen. 

Programm

 

 

ReferentInnen

Fotos

Vorträge der ReferentInnen

Dr. Hartmut Kahl
(Stiftung Umweltenergierecht)
Auswirkungen EEG 2017 auf die Windbranche

Volker Will
(Deutsche Kreditbank AG)
Erfolgreiche Bürgerwindprojekte aus anderen Bundesländern

Jan Stoye
(Energiegenossenschaft Neue Energien Ostsachsen eG)
Akzeptanz durch Bürgerenergie - Praxisbeispiel

Heinrich Bartelt
(Windpark Druiberg)
Sektorenkopplung

Ramona Notroff
(Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur)
Siegel für faire Windenergie Thüringen

Thies Schröder
(Energieavantgarde Anhalt e. V.)
Aktivitäten und Projekte der Energieavantgarde Anhalt