Braderup

Foto: Robert Bosch GmbH

Braderup in Schleswig-Holstein mag zwar mit etwa 660 Einwohnern nicht zu den größten Gemeinden in Deutschland gehören. Doch schon das selbstgewählte Motto „Klein aber Oho“ zeugt von dem gesunden Selbstbewusstsein und spiegelt sich auch in den Projekten wieder, die in Braderup umgesetzt werden. Dazu zählen neben einer Breitbandversorgung und einer LED-Beleuchtung auch zwei Bürgerwindparks und seit 2014 auch eine der größten Batteriespeicher Europas. „In Nordfriesland haben Bürgerwindparks ja bereits eine lange Tradition“, erklärt Jan Martin Hansen, einer der Geschäftsführer der Bürgerwindparks. „In Braderup sind wir mit dem Batteriespeicher nun noch einen Schritt weiter gegangen und testen hier bereits die Energieinfrastruktur der Zukunft in der Praxis.“

Bürgerwind aus Tradition
In Nordfriesland gibt es nicht nur optimale Bedingungen für die Nutzung der Windenergie, welche sich in den vielen Windparks widerspiegelt. Es hat sich auch eine Tradition der Organisation von Windparks etabliert. Mehr als neunzig Prozent der Windparks in Nordfriesland sind Bürgerwindparks, die umfassend den Anwohnerinnen und Anwohnern die Möglichkeit zur finanziellen Beteiligung ermöglichen. „Windenergieanlagen verändern das gewohnte Landschaftsbild“, beschreibt Hansen die Situation. „Daher ist es einfach wichtig, dass die neuen Anlagen eigene Bauwerke der Menschen vor Ort sind, die sich mit Ihnen identifizieren und damit schneller an die Veränderung gewöhnen können.“

So konnte die für den Windpark gegründete GmbH auf eine bewährte Organisationsform zurückgreifen, wie sie beispielsweise auch in der Energie-Kommune Niebüll umgesetzt wurde. Auch der erste Windpark von 2006 wurde als Bürgerwindpark realisiert. Erfahrungen wurden zudem mit der Umsetzung eines Wärmenetzes gemacht, welches durch eine örtliche Biogasanlage versorgt wird. Aus den anfänglich kontroversen Debatten um die Biogasanlage zweier Landwirte konnte über die Versorgung der Anwohnerinnen und Anwohner mit klimaschonender Wärme die Sinnhaftigkeit der Anlagen verdeutlicht werden. An dem neuesten Windpark haben sich mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger beteiligt. „Um die Menschen vor Ort bei der Gemeinschaftsaufgabe Energiewende mitzunehmen, ist es nicht nur wichtig, dass es eine finanzielle Beteiligung gibt“, erklärt Hansen. „Gerade bei den vielen Windenergieanlagen in Nordfriesland ist die Etablierung einer Infrastruktur von morgen wichtig, um zu zeigen, wie eine umfassende Nutzung der Strommengen vor Ort aussehen kann.“

Stromspeicher der Zukunft
Mit einem Anteil von etwa 30 Prozent an der Bruttostromerzeugung haben Erneuerbare Energien in den letzten Jahren zwar eine dynamische Entwicklung genommen, bis zu einer bundesweit vollständigen Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien ist es aber noch ein weiter Weg. In Nordfriesland jedoch können Sonne, Bioenergie und insbesondere Windenergie bereits eine regionale Vollversorgung mit Strom leisten. Daher macht es Sinn, hier bereits Technologien zu testen, welche bundesweit erst in ein paar Jahren genutzt werden. Daher wurde der Bürgerwindpark bereits 2014 mit einem Hybridspeicher geplant. „Wir haben für den Betrieb des Stromspeichers eine eigene GmbH gegründet, an der auch der Bürgerwindpark zusammen mit einem alteingesessenen deutschen Unternehmen beteiligt ist“, beschreibt Hansen die Gründungsphase. „Allerdings hatten wir dann in der Betriebsphase einige technische Schwierigkeiten.“

Während der Testphase seit 2015 wurden 250 Einzelbatterien erneuert. Ein Hybridspeicher kombiniert unterschiedliche Batterietypen miteinander. Im Falle von Braderup sind dies Lithium-Ionen- und Vanadium-Redoxflow-Batterien. Während die Lithium-Ionen-Technologie eher kurzzeitige Schwankungen ausgleichen kann, dienen Vanadium-Redoxflow-Batterien einer langfristigeren Speicherung. Im Zusammenspiel liefert der Vier-Megawatt-Speicher genug Strom, um etwa 400 Einfamilienhäuser einen Tag lang zu versorgen. „Die Batterien sind nun installiert und der Hybridspeicher läuft wie geplant“, freut sich Hansen.

Zukunftsregion Nordfriesland
Die Bürgerwindparks und der Hybridspeicher sind Teil der Klimaschutzprojekte, welche im ganzen Landkreis Nordfriesland umgesetzt werden, der bereits als Energie-Kommune geehrt wurde. So bemüht sich Nordfriesland neben der Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien und der regenerativen Wärmeversorgung auch um den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität. „Es ist jetzt aber wichtig, dass Marktanreize geschaffen werden, um die Speichertechnologien zu fördern“, meint Hansen. „Gleichzeitig muss der günstige Windstrom auch den Verbrauchern zugutekommen. Dann werden wir schneller als gedacht und mit der notwendigen Unterstützung aus der Bevölkerung die regenerative Zukunft erreichen.“ In Nordfriesland lässt sich diese regenerative Zukunft bereits jetzt real erleben.

Bürgerwindpark

Flash ist Pflicht! Wie setze ich einen Windpark als Bürgerwindpark um? Was sind die Vorteile der GmbH und Co. KG? Die Animation zeigts.