Leitbild für eine erneuerbare Zukunft: Kommunale Energiekonzepte

Ein Energiekonzept dient Kommunen als Entscheidungsgrundlage und Planungshilfe. Es definiert Maßnahmen, mit denen ein vorab festgelegtes Ziel erreicht werden kann. Außerdem bilanziert es den Ist-Zustand, ermittelt Potenziale, schätzt den zukünftigen Energie- und Infrastrukturbedarf ab, entwickelt verschiedene Varianten der künftigen Energieversorgung und informiert die Bürger über die möglichen Entwicklungen in der Region. Die Umgestaltung einer Energieregion ist ein langfristiger Prozess, der nur gemeinsam mit Akteuren vor Ort erfolgen kann. Für eine langfristige Strategie sollten Zwischenziele und Einzelmaßnahmen benannt und regelmäßig überprüft werden. Sinnvoll können Akteursnetzwerke sein, die an der Erstellung und Umsetzung des kommunalen Energiekonzeptes mitwirken. Neben Politik und Verwaltung müssen sich dabei auch Verbände, Unternehmen, Gewerbe sowie Bürger beteiligen können.

Wegweiser für die kommunale Energieversorgung
Als strategisches Planungsinstrument zeigt ein Energiekonzept den Kommunen Möglichkeiten auf, wie sich eine rationelle und effiziente Versorgung mit Erneuerbaren Energien bei gewerblichen Betrieben, privaten Haushalten und öffentlichen Liegenschaften schnellstmöglich realisieren lässt. Kommunale Energiekonzepte beziehen sich auf das gesamte Gebiet der jeweiligen Kommunen. Mehrere benachbarte Städte und Gemeinden können aber auch ein gemeinsames Energiekonzept erarbeiten. Gerade beim Ausbau Erneuerbarer Energien können gemeindeübergreifende Potenziale oft effizienter genutzt werden.

Gemeinden erzeugen mehr Strom als sie verbrauchen

Im Aller-Leine-Tal erzeugen acht Gemeinden bereits heute mehr Strom, als sie verbrauchen. Um die Energieversorgung in der Region darüber hinaus zu planen, haben die Kommunen Anfang 2012 gemeinsam ein ausführliches Energiekonzept veröffentlicht, das auch als Leitfaden für andere Regionen dienen soll. Mehr Informationen finden Sie hier.

Foto: Kooperationsraum Aller-Leine-Tal

Nachfolgend werden die wichtigsten Bestandteile eines guten Energiekonzepts aufgeführt:

1. Ziel und Leitbild
Zu Beginn werden das energiepolitische Leitbild oder Ziel sowie inhaltliche und räumliche Schwerpunkte festgelegt. Die relevanten Akteure und Interessengruppen sollten dabei von Anfang an einbezogen werden. Vom Leitbild ausgehend können Zwischenziele oder Meilensteine benannt werden. Geklärt werden sollte auch, welche Handlungsfelder und Zielsetzungen Priorität haben: zum Beispiel, welche Erneuerbaren Energien genutzt und welche Kohlendioxid (CO2)-Minderungen in welchem Zeitraum in der Kommune erreicht werden können.

2. Projektleitung – Einer hat den Hut auf
Um ein Energiekonzept erfolgreich zu erstellen und umzusetzen, muss frühzeitig eine verantwortliche Projektleitung benannt werden. Sie hat vor allen Dingen die Aufgabe, im Vorfeld die Abstimmung für die Zielfindung durchzuführen, die Bereitstellung der Daten zu koordinieren und die Vorgehensweise festzulegen. Sie managt die Kontakte zwischen den Akteuren und Verwaltungsstellen, bereitet Präsentationstermine vor und organisiert die Öffentlichkeitsarbeit. Zeitplanung mit Meilensteinen, die systematische Protokollierung und Überwachung des Projektes (Monitoring) sowie regelmäßige Evaluierungen gehören ebenfalls zu ihren Aufgaben.

3. Ist-Analyse – Wo stehen wir, was haben wir?
Die Ist-Analyse zeigt, wofür wie viel Energie genutzt wird und wo überall Treibhausgas-Emissionen entstehen. Auf dieser Datengrundlage können Kommunen ihre Energie- und Klimaschutzstrategie aufbauen. Für die Erhebung können unter anderem die Energieverbrauchsdaten der Energieversorger hilfreich sein, ebenso Angaben der Wohnungsunternehmen und zuständigen Ämter sowie die Schornsteinfegerkarteien. Bei Bedarf müssen Direkterhebungen durchgeführt werden. In die Ist-Analyse müssen zudem Angaben zur Bereitstellung der Energie, der Energieerzeugung aus Erneuerbaren Energien, zu den vorhandenen Energiequellen und der Kraftstoffbereitstellung einfließen.

4. Energie- und CO2-Bilanzen
Ziel der CO2-Bilanz ist die möglichst genaue Abschätzung der in der Kommune ermittelten Treibhausgase. Sie ist Ausgangspunkt für zukünftige CO2-Minderungsprogramme und dient als Grundlage für die Festlegung von Handlungsschwerpunkten sowie für alle weiteren Klimaschutzaktivitäten der Kommune. Die Energieverbräuche und die daraus resultierenden CO2- und Treibhausgas-Emissionen sollten in unterschiedlichen Zeiträumen und für private Haushalte, Wirtschaft (Gewerbe, Handel, Dienstleistung, Industrie) und kommunale Einrichtungen erhoben werden. Mangels geeigneter kommunaler Daten werden häufig bundesweite Durchschnittswerte heran gezogen und auf die jeweilige Kommune heruntergebrochen. Regelmäßig fortgeschriebene regionale CO2-Bilanzen können jedoch ein wichtiges Monitoring- und Controllinginstrument für Kommunen sein.

5. Potenziale vor Ort – Stärken erkennen und fördern
In einem nächsten Schritt sollten Potenzial-Analysen zur Erzeugung von Strom und Wärme vor Ort erstellt werden. Sie liefern die notwendigen Entscheidungsgrundlagen dafür, welche erneuerbaren Energiequellen und welche Erzeugungsanlagen sich für die jeweiligen Standorte in der Kommune am besten eignen. Auch hier sollten die Akteure vor Ort durch Workshops, Telefoninterviews und Gespräche mit eingebunden werden. Auf Basis der Potenzial-Analysen werden Szenarien für die Bereiche Strom, Wärme und gegebenenfalls Verkehr entwickelt. Mit ihrer Hilfe lassen sich Handlungsspielräume und die notwendigen Investitionen zur Erreichung des Zieles realistischer abschätzen. Die Szenarien verdeutlichen, welche Möglichkeiten beziehungsweise welchen Handlungsbedarf es gibt, den Energieverbrauch zu reduzieren. Sie zeigen die Potenziale erneuerbarer Energieträger und den zukünftigen Infrastrukturbedarf auf. Auch Möglichkeiten kommunaler Wertschöpfung können aus den Analysen abgeleitet werden.

6. Maßnahmen entwickeln – Was können wir konkret tun?
Aus der Ist- und der Potenzial-Analyse lassen sich Handlungsschritte ableiten. Im „Herzstück“ des Energiekonzepts, dem Maßnahmenkatalog, werden sie konkretisiert. Hilfreich ist eine Unterteilung der Maßnahmen beispielsweise in ihre Wirksamkeit (kurz- oder langfristig umsetzbar), ihren Status (Maßnahmen oder Projekte, die es bereits gibt, die jedoch präzisiert oder erweitert werden sollten) sowie in verschiedene Handlungsbereiche (Kooperation, Dialog und Öffentlichkeitsarbeit oder Ausbau Windenergie). Beispiele für Maßnahmen sind: Solarpotenzialkataster, Photovoltaikanlagen auf geeigneten kommunalen Liegenschaftsdächern, Energieberatung für Bürgerinnen und Bürger, Rekommunalisierung der Energieversorgung und -verteilung, perspektivische Erarbeitung neuer Windvorrangzonen, Gründung lokaler Windpark-Betreiberstrukturen.

7. Akteure und Bürger beteiligen – Partizipation auf allen Ebenen
Gerade auf kommunaler Ebene sind Kommunikation und Partizipation wichtige Mittel, um die Menschen vor Ort zu überzeugen und ihre Zustimmung zu gewinnen. Bereits im Vorfeld und bei der Erstellung eines kommunalen Energiekonzepts müssen die relevanten Akteure einbezogen werden, um die Ergebnisse auch umsetzen zu können. Sie sollten zusammengebracht werden und Erfahrungen austauschen können. Dafür eignen sich zum Beispiel thematische Foren, Arbeitsgruppen sowie Workshops. Öffentlichkeitsarbeit sollte zudem schon im Vorfeld der eigentlichen Konzepterstellung beginnen und diese kontinuierlich begleiten. Das Spektrum an wirkungsvollen Maßnahmen ist groß: von der klassischen Pressearbeit in Radio, Online- und Printmedien über Ausstellungen, Plakat-Aktionen, der Präsentation lokaler Beispiele bis hin zur Einbindung von Multiplikatoren als „Paten“ für Klimaschutzprojekte.

Kosten kalkulieren

Kosten bei der Umsetzung eines Energiekonzeptes fallen zum einen für die geplanten Einzelmaßnahmen aus dem Maßnahmenkatalog und zum anderen für die Projektleitung und die zuständigen Personalressourcen an. Hinzu kommen die Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen. Sie amortisieren sich oft erst über einen längeren Zeitraum und müssen vorfinanziert werden. Die Erstellung von Energie- und Klimaschutzkonzepten sowie einzelne Klimaschutzmaßnahmen werden von Bund und Ländern gefördert – zum Beispiel über die Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums und Programme der KfW Bankengruppe. Mehr zu Förderungsmöglichkeiten finden Sie hier.

Relevante kommunale Akteure
  • Kommunalpolitiker
  • Verwaltungsmitarbeiter
  • Wissenschaftler
  • Lokale Umwelt- und Naturschutzgruppen
  • Stadtwerke
  • Öffentliche Meinungsbilder, z.B. Presse, Kirchen, Gewerkschaften und direkt betroffene Anwohner
  • Sport- und Schützenvereine
  • Unternehmer und Handwerker, die möglicherweise von den Planungen profitieren
  • Lokale Banken
  • Land- und Forstwirte als potenzielle Biomassezulieferer und als Grundstückseigentümer

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Alle Informationen und viele Praxisbeispiele finden Sie auch im Jahresmagazin KOMM:MAG

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